Gebäudetechnik der Extraklasse
General Aviation Center mit Hangar am Wiener Flughafen
Gustav Pummer
TGA-Planung 2006, WEKA-Verlag Wien, Seiten 24-26

Im Zuge der Erweiterung des Flughafens Wien entstand ein neues General Aviation Center mit angeschlossenem VIP-Bereich
sowie ein dazugehöriger Einstellhangar.
Das VIP/GAC-Gebäude enthält drei VIP-Lounges, ein Restaurant mit eigener Küche,
Büroeinheiten, die an Privatfluggesellschaften vermietet werden sollen, Räume für Polizei,
Zoll und einen Duty-Free Shop sowie Betriebsräume der Flugsicherungsgesellschaft ACG.
Im Nebengebäude des Hangars sind Büros und Technikräume untergebracht.
Schmidt Reuter war, nach gewonnenem Wettbewerb, in einer Planungsgemeinschaft mit dem Generalplaner
Holzbauer & Partner,
für die Planung der gesamten Gebäudetechnik verantwortlich. Eine besondere Herausforderung
war dabei der Zeitplan: Planungsbeginn war 2004, im Jänner 2005 wurde zu bauen begonnen,
Anfang November 2005 waren die Gebäude fertiggestellt.
Überaus hoch war auch der architektonische Anspruch, der eine besonders durchdachte Leitungsführung,
besonders in den VIP-Lounges, erforderte.
Heizung
Die Wärmeversorgung erfolgt über das Fernwärmenetz und zwei Umformerstationen, jeweils eine für
jedes der beiden Gebäude, von denen aus das Heißwasser zum Heißwasserverteiler gepumpt wird.

Geheizt wird im VIP/GAC Gebäude über Radiatoren, Konvektoren und Fußbodenheizung. In den
Büroräumen erfolgt die Ausbringung der erwärmten Luft über Fan Coils, in den VIP-Lounges
über Quellluftauslässe. Die Heizzentrale befindet sich im 1. Untergeschoß des Gebäudes.
Die Hangarhalle wird über Deckenstrahlplatten mit einer Vorlauftemperatur von 110°C
beheizt, zur Abdeckung des Kaltlufteinfalls über das Hangartor sind Torluftschleier vorgesehen.
Kältetechnik
Die Versorgung der Lüftungsanlagen bzw. kältetechnischen Einrichtungen des VIP/GAC Gebäudes
mit Klimakaltwasser erfolgt über eine autarke Kältezentrale. Zur Anwendung kommt dabei
eine luftgekühlte Schraubenmaschine.
Das Kältegerät ist als kompaktes, luftgekühltes System mit Free-Cooling Möglichkeit geplant.
Die Situierung der Anlage erfolgt im Bereich der Kältezentrale im Obergeschoß des GAC-Gebäudes
im Freien. Die Kältezentrale versorgt die Lüftung und die Gebläsekonvektoren.
Die Kälteversorgung des Hangar-Nebengebäudes erfolgt über Split-Geräte.
Lüftungstechnik
Die Belüftung erfolgt vollständig über Frischluft, sämtliche Klima- und Lüftungsanlagen
sind zur Kostenoptimierung mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet. Die Situierung
der Anlagen erfolgt in den Haustechnik-Zentralen im Untergeschoß (VIP/GAC-Gebäude) bzw.
im Erdgeschoß (Hangarnebengebäude). Im Hangar ist eine mechanische Brandrauchentlüftung
ausgeführt worden, die von der Brandmeldeanlage gesteuert wird.

Im VIP-Bereich erfolgt die Regelung der Lüftung sowohl hygieneabhängig als auch temperaturabhängig.
In der Küche ist ein Deckenlüftungssystem installiert, in dem die Luft auch gereinigt wird.
Sanitärtechnik
Die Kaltwasserversorgung erfolgt aus dem örtlichen Trinkwasserleitungssystem. Jedes der
beiden Gebäude ist mit eigener Warmwasserbereitung ausgerüstet. Die Leistungsentnahme für
die Warmwasserbereitung erfolgt aus der primären Fernwärmeleitung. Über einen Wärmetauscher
wird das Heizmedium den Warmwasserspeichern zugeführt. Die Auswahl der sanitären Ausstattungsgegenstände
für den VIP-Bereich erfolgte in enger Abstimmung mit dem Architekten in anspruchsvollem
Design und aus exquisiten Materialien.
Besondere Vorkehrungen waren für die Feuerlöscheinrichtung im Hangar erforderlich.
Es sind Wandhydranten gemäß TRVB 128 Ausführung 2 geplant. Die Auslegung
der Versorgungsleitungen erfolgt so, dass an dem am meisten entfernten Wandhydranten eine
Gesamtentnahme von 600 l/min bei einem dynamischen Druck von mindestens 3 bar gewährleistet
ist.
Die vorgenannte Feuerlöschanlage wurde mit einer Wasser-Schaum-Anlage zur effizienten Brandbekämpfung
ausgestattet. Diese Anlage ist von der Wasserversorgung hydraulisch getrennt.
Elektrotechnik
Die Energieversorgung erfolgt über eine neue Trafostation und den angrenzenden Niederspannungsverteiler
im Untergeschoß des VIP/GAC Gebäudes. Die Trafostation wird in das Hochspannungsnetz des
Flughafens eingebunden und ist mit zwei Trafos für Netzversorgung ausgerüstet. Für einen
späteren Ausbau sind zwei Trafoboxen als Reserve vorgesehen.
In der Trafostation sind auch die Hochspannungschaltfelder für Einspeisung und Trafoabgang
angeordnet.
Besonders hervorzuheben sind die Anforderungen der Sicherheitstechnik. Im ganzen Areal
ist zur Überwachung des Aus- und Einreisebereichs eine Vielzahl von Kameras installiert,
deren Versorgung aus dem Netz und alternativ über das flughafeneigene Notstromnetz sichergestellt
sein muss. Für bestimmte Bereiche ist auch eine Zutrittskontrolle vorgesehen, etwa um die
erfoderliche Trennung Land-Side/Air-Side sicherzustellen.
Es ist eine Brandmeldeanlage im Vollschutz gemäß TRVB 123 vorgesehen. Die automatische
Überwachung im VIP/GAC-Bereich erfolgt mittels optischer Rauchmelder in Allgemeinbereichen,
Büro- und Technikräumen. Im Restaurant und in der Küche sind für die Überwachung Wärmemelder
vorgesehen. Die manuelle Auslösung erfolgt mit Druckknopfmelder.
Im Hangarbereich werden die Allgemeinbereiche, Büros und Lagerflächen mit optischen Rauchmeldern
überwacht. In den Werkstätten sind Wärmemelder vorgesehen. Im Hangar ist ein Rauchansaugsystem
für die automatische Überwachung vorgesehen. Die manuelle Auslösung erfolgt mit Druckknopfmelder.
Die Alarmierung erfolgt im VIP/GAC-Gebäude sowie im Hangarnebengebäude mit Sirenen. Eine
Lautsprecheranlage ist für Durchsagen vorgesehen. Die Brandmeldeanlage wird in das bestehende
Flughafensystem eingebunden.
MSR-Technik/Gebäudeautomation
Es kommt ein digitales Automationssystem zur Anwendung. Alle Überwachungs- und Störmeldungen
werden an die bestehende zentrale Gebäudeleittechnik des Flughafens gemeldet. Zusätzlich
werden Störmeldungen an den MSR-Schaltschränken im VIP-Bereich angezeigt.
Fördertechnik
Es wurden ein Personen- und ein Lastenaufzug im VIP/GAC-Gebäude errichtet. In beiden Fällen
kommen maschinenraumlose Modelle zur Anwendung, die sich eines getriebelosen Synchronmotors
im Schachtkopf bedienen.
Bauherr
Flughafen Wien AG
Generalplaner
Holzbauer & Partner
TGA-Planung
Schmidt Reuter
Herstellkosten gesamt
€ 13.500.000.-
Herstellkosten TGA
€ 3.500.000.-
(alle Bilder: TGA / Sachs)