|
Das Regenwaldhaus im Tiergarten Schönbrunn in
Wien bildet für Flora und Fauna einen möglichst
naturnahen Lebensraum. Notwendige Voraussetzung, um
die Natur "nachbauen" zu können, ist
eine ent-sprechende technische Gebäudeausrüstung,
die sich in diesen natur-nah nachgeahmten Lebensraum
integrieren muss.

Optimierung durch Simulation
Um den Regenwald weitgehend nachbilden zu können,
sind im Winter Raumtemperaturen von 25 bis 27°C
und im Sommer bis maximal 35°, jeweils bei einer
relativen Feuchte zwischen 60 und 90% erforderlich.
Basierend auf dynamischen Simulationsberechnungen
über zu erwartende Raumtemperaturen und Besonnungsdiagrammen
für das Glasdach konnten die Anlagenerfordernisse
für die Konditionierung des Regenwaldhauses technisch
und ökonomisch konzipiert werden. Dabei sind
weder Sonnenschutzmaßnahmen noch eine mechanische
Kühlung notwendig.
Dank der Nutzung der adiabaten Kühlung durch
Wasserabgabe der Pflanzen und durch das Besprühen
mit einer Kaltwasser-Sprühnebel-anlage reicht
bereits ein geringer Luftwechsel aus, um die geforderten
Konditionen sicher zu stellen.

Lüftung & Heizung
Im Sommer besteht die Möglichkeit einer natürlichen
Be- und Entlüftung über zu öffnende
Glasflügel im oberen Bereich des Glasdaches,
sowie ebenfalls zu öffnender Klappen im unteren
Bereich des gewölbten Glas-daches.
Die Be- und Entlüftung der Halle und der Nebenräume
erfolgt durch getrennte Lüftungsanlagen, wobei
die Lüftungsanlage Halle zusätzlich noch
eine Teilabdeckung des Wärmebedarfes übernimmt
und für eine Grundfeuchte in der Halle sorgt.
Die Beheizung des Regenwaldhauses erfolgt vorwiegend
über eine integrierte Wand- und Bodenheizung,
die Glasflächen werden mit Warm-luft abgeschirmt.
Die Wärmeversorgung erfolgt von einer bestehenden
Übergabestation aus.
Zur Systemtrennung gegenüber den anderen Gebäuden
im Tiergarten sind Plattenwärmetauscher vorgesehen.
Hydraulische Schaltungen und Temperaturniveaus sind
so konzipiert, dass sie später an das Netz der
Fernwärme Wien angeschlossen werden können.
Wasser & Attraktionen
Attraktionen wie Gewittersimulation, Platzregen, Wasserfall,
Wasser-becken, Wasserlauf und Hochdrucknebelerzeugung
sind essentiell, will man den Regenwald annähernd
naturnah präsentieren. Diese Attraktionen stellen
aber auch besondere Anforderungen an die Wasser-aufbereitung.
Der Betrieb der Anlagen erfolgt mit vollentsalztem
Wasser, das über Enthärtung mit nachgeschalteter
Umkehr-Osmose aufbereitet wird.
Für die unterschiedlichen Beckensysteme, wie
Gezeitenbecken, Paludarium, Wasserfallbecken und Becken
für Zwergfischotter und Riesenschlange sind spezielle
und für den Anwendungsfall entwickelte Umwälzfilteranlagen
mit zusätzlicher Entkeimung und Temperierung
vorgesehen.
Zur Gewittersimulation werden neben dem Regen über
spezielle Anlagen auch Blitz und Donner erzeugt bzw.
eingespielt. Eine Hochdruck-nebelanlage sorgt für
den "Nebel im Gebäude".

Licht & Information
Über die normale Beleuchtung hinaus sind für
die Pflanzen auch Lampen mit wachstumsfördernden
Leuchtmitteln vorgesehen. Die Tiere können sich
hingegen über Wärmelampen und UV-Leuchten
freuen. Damit die Pfleger sie auch beobachten und
überwachen können, wurden Videoanlagen installiert.
Die Besucher wiederum können über ein Informationssystem
mit örtlichen Touch-Screens Informationen und
Bilder abrufen und ansehen.
Für die Regelung, Steuerung und Überwachung
aller Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung
im Regenwaldhaus sorgt ein digitales Automationssystem
mit zentraler Bedienstelle.
Bauherr
Republik Österreich, vertreten durch die Burghauptmannschaft
Österreich
Architekt:
Architekten Neversal und Edelbacher & Hartmann,
Wien
Herstellungskosten TGA:
2,107 Mio. Euro
Gesamtherstellungskosten:
10,174 Mio. Euro.
|