TGA-Planung 2000/2

„Tech Gate Vienna“ – Das Tor zur Technologie

Ing. Gustav Pummer, TGA-Planung 2000, WEKA-Verlag Wien, Seiten 40 bis 42

Tech Gate Vienna ist Teil der Donau-City, Wiens neuem Zentrum des 21. Jahrhunderts.
Umgeben vom Vienna International Centre, von Universitätsfakultäten, hochwertigen Bürokomplexen, Wohngebäuden und Freizeiteinrichtungen ist Tech Gate Vienna eingebunden in eine ausgewogene urbane Struktur.
Unmittelbar durch Autobahn und U-Bahn erschlossen, ist die Donau-City nur acht Minuten vom historischen Stadtzentrum entfernt.

Tech Gate Vienna sieht eine Durchmischung verschiedener Mietergruppen vor, durch die ein durchgängiger Wissensfluss und eine intensive Technologieentwicklung erleichtert werden sollen. Durch eine Konzentration auf eigene Themenbereiche soll die Effektivität von Tech Gate Vienna gesichert und der Aufbau eines thematischen Netzwerkes erleichtert werden.

Architektur

Das moderne Gebäude in repräsentativer Architektur unterstreicht den Anspruch von Tech Gate Vienna als erste Adresse für Technologie in Österreich.

Das von den Architekten Holzbauer und Frank geplante Gebäude umfasst zwei Ausbaustufen. Die erste Ausbaustufe wird in Form eines großen Tors (Gate) die diagonale Zentralachse der Donau-City überspannen, das Tor (Gate) zur Technologie. Die Errichtung eines direkt angrenzenden, dreikantigen Turms ist für die zweite Ausbaustufe vorgesehen: Büro-, Labor- und Werkstattflächen mit hochwertiger Technik, Infrastruktur und Verkabelung, Konferenz- und Seminarräume mit modernsten Präsentationsmöglichkeiten, Zentraler Empfang und Tiefgarage.

Heizung

Die Wärmeversorgung des Tech Gate Vienna erfolgt mittels Fernwärme aus dem Fernwärmenetz der Fernwärme Wien. Der gesamte Gebäudekomplex wird über eine Heizzentrale beheizt. Die dafür erforderliche Fernwärme-Umformerstation ist in der Technikzentrale im Untergeschoss im Gate untergebracht.

Für die Abdeckung der Gesamtwärmeleistung von 3,6 MW sind zwei Primärumformer vorgesehen. Die Wärmeabgabe in den Räumen erfolgt über 4-Leiter-Gebläsekonvektoren (Fan Coils), Radiatoren bzw. Fußbodenheizungen. Um eine flexible bzw. variable Raumteilung zu ermöglichen, wird je Fensterachse ein Gerät angeordnet.

Kälte

Die Kälteversorgung der raumlufttechnischen Anlagen bzw. kältetechnischen Einrichtungen zur Konditionierung des Raumluftzustandes in den Büros und Sonderräumen erfolgt jeweils über eine zentrale Kälteanlage im Gate und im Turm. Vorgesehen sind luftgekühlte Kältemaschinen mit Kolbenkompressoren, die in den bauteilbezogenen Technikzentralen im Dachgeschoss situiert sind.

Die Gesamtkälteleistung für das Gate beträgt 1.750 kW und für den Turm 1.000 kW. Zur Abdeckung der Winterkälte ist ein Glykol-Rückkühler für Free-Cooling-Betrieb geplant.

Zusätzlich zur Raumerwärmung über die Lüftungsanlagen erfolgt die zur Nachkonditionierung der Büro- und Sonderräume mittels 4-Leiter-Gebläsekovektoren (Fan Coils) bzw. Kühlregister eingebaut.

Lüftung und Klima

Folgende raumlufttechnischen Anlagensysteme sind vorgesehen:

  • Be- und Entlüftung
    Sämtliche Räume, wie Lager, Gänge, etc. die nach den einschlägigen Richtlinien und Vorschriften oder aus der Notwendigkeit der Nutzung heraus lufttechnisch behandelt werden müssen, werden be- und entlüftet.
    Die Ausstattung der Be- und Entlüftungsanlagen umfasst Einrichtungen für Luftfilterung, Wärmerückgewinnung und Lufterwärmung.
  • Teilklimatisierung
    Räume mit Anforderungen an geregelte Raumtemperatur im Sommer und Winter, wie Geschäfte und Eingangshalle, werden teilklimatisiert.
    Die Ausstattung der Teilklimaanlagen umfasst Einrichtungen für Luft-filterung, Wärmerückgewinnung, Lufterwärmung und Luftkühlung.
  • Klimatisierung
    Klimatisiert, d.h. erwärmt, gekühlt, be- oder entfeuchtet werden alle Räume wie Büros, Veranstaltungs-, Seminar-, Labor- und Konferenz-räume. Die Betriebsweise ist hierfür durch definierte Grenzwerte für die zulässige Wärme- und Feuchteentwicklung im Raum gekennzeichnet.
    Die Ausstattung der Klimaanlagen umfasst Einrichtungen für Luftfilterung, Wärmerückgewinnung, Luftvorwärmung, Luftkühlung, Luftbefeuchtung, Luftentfeuchtung und Luftnachheizung.
  • Brandrauchabsauganlage
    In den Garagen ist neben der Betriebsentlüftung eine mechanische Brandrauchabsauganlage mit einem 12-fachen Luftwechsel vorgesehen. Die zugehörigen Garagenschleusen werden mit einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage mit einem mindestens 20-fachen Luftwechsel ausgestattet.
  • Druckbelüftung
    Das innenliegende Stiegenhaus im Turm wird mit einer Druckbelüftung gemäß Hochhausrichtlinien ausgestattet.

Wasserversorgung

Die Trinkwasserversorgung für das Tech Gate Vienna erfolgt von der Hauptwasserleitung des Stadtwassernetzes der Gemeinde Wien. Über einen Hauptverteiler werden die Verbraucher im Gate versorgt. Für die Verbraucher im Turm ist ein eigener Verteiler im Untergeschoss des Turms vorgesehen.

Es sind Nasssteigleitungen als Feuerlöscheinrichtungen geplant. Die Versorgung erfolgt ebenfalls aus dem öffentlichen Trinkwassernetz. Bei jedem Hydrantenkasten sind in einem zusätzlichen Fach Handfeuer-löscher vorgesehen.

Elektro

Energieversorgung
Die Energieversorgung erfolgt aus dem Netz der Wiener Stadtwerke – Wienstrom. Über zwei Transformatorenstationen wird die Spannung von 10 kV auf 0,4 kV umgespannt. Die Transformatorenstationen sind im Gate Ebene -3 und im Gate/Turmbereich in Ebene -4 untergebracht. Die installierte Trafoleistung beträgt 2,7 MVA. Die Gebäudehauptverteilungen sind nach den Bauteilen Gate und Gate/Turm gegliedert, um eine hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Sie bestehen aus mehrfeldrigen Schaltfeldern, die mit Geräten in Einschubtechnik und Festeinbau bestückt sind.

Netzersatzversorgung
Die sicherheitsrelevanten Anlagen im Turm sind an eine 500 kVA Netzersatzanlage angeschlossen. Sämtliche Fluchtwege sind mit einer ständig überwachten Fluchtwegeorientierungsbeleuchtung in Dauerlicht- und Bereitschaftslichtbetrieb ausgestattet. Es sind Zentralbatterie-anlagen verteilt auf die Lastschwerpunkte vorgesehen.

Sämtliche Prozess- und Steuervorgänge sowie Meldungen und Stör-anzeigen der Anlagenzustände werden über eine zentrale Datenring-leitung erfasst und an die Leitstelle weitergeleitet.

Energieverteilung
Die horizontale Energieverteilung der Steigleitungen erfolgt in den Unter-geschossen. Hinsichtlich der brandschutztechnischen Anforderungen werden die Kabel und Leitungen mit Funktionserhalt nach DIN 4012 ausgeführt.
Die senkrechte Energieverteilung erfolgt mittels Stromschienen-systemen. Die Lage der Geschossverteilerräume wurde so gewählt, dass vertikale Verschienungen und durchgehende Leitungswege über Kabelleitern erfolgen können.

Die Stromversorgung in den Bürobereichen erfolgt ausgehend vom Geschossverteilerraum über Fußbodenkanalsysteme, Doppelboden im Gangbereich und einen Hohlraumboden im Bürobereich mit fußboden-bündigen Bodenauslässen am Arbeitsplatz.

Lichttechnik

Die Beleuchtungsanlagen wurden so geplant, dass sie über die Erfüllung der entsprechenden Vorschriften und Richtlinien hinaus noch weitere Kriterien wie Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und insbesondere architektonische und individuelle Anforderungen des Bauherrn und des Architektenteams erfüllen.

In den Bürobereichen sind energiesparende T5-Lichtsysteme mit integrierten Zu- und Abluftführungen geplant. In den Bürozonen kann die Beleuchtung über ein LON-Netzwerk individuell angesteuert werden.

Im Bereich der Eingangshalle sind Spiegelwerfersysteme für eine kreative Lichtarchitektur konzipiert.
Dimmbare Beleuchtungen sind im Veranstaltungsbereich vorgesehen.

Brandmeldeanlage

Errichtet wird eine Brandmeldeanlage in Vollschutz gemäß TRVB-S 123, wobei über das TUS eine automatische Alarmierung erfolgt. Die Anlage erhält Einzelmeldererkennung und Einzelmelderabschaltung und ist modular aufgebaut.

Die wesentlichen Merkmale sind prozessorgesteuerte und überwachte redundante Systemtechnik in frei programmierbarer bidirektionaler Ring-Bus-Struktur.

Über eine Datenschnittstelle ist die Brandmeldeanlage mit dem übergeordneten Sicherheitsmanagementsystem verbunden. Über die Brandfallsteuerung werden Türen, Brandschutzklappen, Be- und Entlüftungsanlagen sowie Rauchabzugsanlagen angesteuert.

Sicherheitsanlage

Die Sicherheitsanlage umfasst das Sicherheitsmanagementsystem (SMS), das Alarmsystem, die Zutrittskontrolle, die Videoüberwachung, die Schrankenanlage und die CO-Warnanlage, sowie verschiedene Softwareschnittstellen zu anderen Anlagebereichen.

Jede der vorgenannten Anlagen wird als eigenständiges System errichtet und ist im Rahmen des SMS verbunden. Das SMS ist übergeordnet.

Die Zutrittskontrolle umfasst die Überwachung von Toren und Zufahrten. Das Gebäude wird mit einer Videoanlage überwacht. Die Darstellung erfolgt in quadrantenweiser Abfolge und in einer Langzeitspeicherung.

Die Garageneinfahrten werden mit Schranken ausgerüstet und erhalten darüber hinaus Sprechverbindungen. Schnittstellen mit Gebäude-leittechnik und der Liftsteuerung ermöglichen die Übertragung von Meldungen und Alarmen an die SMS.

Kommunikation

Geplant ist ein modular aufgebautes zentrales Kommunikationssystem. Dieses System ermöglicht die Aufteilung der Anlage in virtuelle Einzel-zentralen und die Anbindung an bis zu 99 Provider.

Darüber hinaus ermöglicht das System die Anschaltung von analogen und digitalen Sprachendgeräten und Übertragungsmedien. Die Anlage ist voll ISDN-tauglich und wird über mehrere Multianschlüsse mit dem Netz verbunden.

Als besonderes Leistungsmerkmal erfolgt die Verbindung der dezentralen Module über ein Glasfaserbackbone. Mittels ATM-Karten, die im jeweiligen Modul situiert werden, sowie einen Router-Einschub im Basismodul werden auf einfache Weise Datenverbindungen über das WAN auf Basis Fast Ethernet / ATM hergestellt. Die Anschaltung von Sprachendgeräten und Datengeräten erfolgt über die strukturierte Cat 5+ Verkabelung.

LAN-Verkabelung

Strukturierte LAN-Verkabelung mit 2 LAN-Doppeldosen sowie 4 voll-beschalteten Dosen je Arbeitsplatz. Die Kabel werden zu 2 LAN-Räumen geführt und auf entsprechenden passiven Patch-Feldern aufgelegt.

Jedem möglichen Benutzer wird darüber hinaus ein Leerfeld zur Aufnahme von Aktivkomponenten zur Verfügung gestellt. Somit ist unter Kombination mit dem Kommunikationsrechnersystem und Einbau von aktiven Komponenten die nutzerweise Errichtung seines Rechen-systems möglich und durch die Verwendung entsprechender ATM und ATM-Router-Karten die Anbindung an entfernte Rechensysteme gewährleistet.

Gebäudeautomation (GLT)

Zur rationellen Energienutzung und Betriebskostenoptimierung ist der Einsatz eines modernen, digitalen Automationssystems vorgesehen.

Über das Automationssystem werden die haus- und betriebs-technischen Anlagen von zentraler Stelle aus überwacht, gesteuert, geregelt und optimiert. Beim Tech Gate Vienna wird für die technische Gebäudeausrüstung ein digitales Automationssystem (GLT-System) mit Datenbus, bestehend aus Leitrechner, Bedienstationen, Automati-sierungsgeräten, HLS-Schaltschränken, Peripherie und Software realisiert.

In das Automationssystem ist ein Einzelraumregelsystem zur individuellen Raumkonditionierung und Lichtschaltung integriert.

Aufzüge

Das Gate wird von 2 Panorama-Aufzug-2er-Gruppen und 2 Seil-Lasten-Personen-Aufzügen erschlossen. Der Turm von einer Seil-Personen-Aufzug-4er-Gruppe und einem Seil-Lasten-Personen-Aufzug. Der Seil-Lasten-Personen-Aufzug ist gleichzeitig der Sicherheits-Feuerwehr-Aufzug.

Das Projekt

Bauherr Tech Gate Vienna Wissenschafts- und Technologiepark GmbH
Planung: Atelier Prof. Wilhelm Holzbauer und Arch. Frank & Partner, ZT-GmbH