TGA-Planung 2001/1

„TGA-Planung international“ – Der Blick über die Grenze

Ing. Johann Leibl, TGA-Planung 2001, WEKA-Verlag Wien, Seiten 14 bis 15

Im Zusammenhang mit der Globalisierung der internationalen Märkte ergeben sich für den Planer eine Reihe von Fragen. Wie stellt man sich als Planer auf diese Situation ein, wie positioniert man sich, welche Voraussetzungen erfordert eine Teilnahme am internationalen Markt und gibt es vergleichbare Grundlagen und Voraussetzungen für eine internationale Planungstätigkeit – zumindest für den erweiterten Wirtschaftsraum, sprich EU, oder gar für Europa?

Für die EU gelten zwar bei öffentlicher Auftragsvergabe die Kriterien der Dienstleistungsrichtlinie, aber wie sieht es in den EU-Ländern und darüber hinaus in den anderen europäischen Ländern im Leistungsvergleich tatsächlich aus? Für private Auftraggeber gelten natürlich die EU-Richtlinien nicht.

Der Internationalisierung der Märkte stehen unterschiedliche Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern gegenüber.

Wie steht es in den einzelnen Ländern mit Honorarordnungen oder Preisvorschriften, Standesregeln, Planungs- und Überwachungs-strukturen, Planungsinhalt und Planungstiefe, Haftung des Planers, und so weiter?

Von einer europäischen Harmonisierung ist man meilenweit entfernt, auch wenn da oder dort zaghafte Bemühungen erkennbar sind. Was kann man international erwarten, wenn es im eigenen Land, in Österreich, nicht gelungen ist, eine gemeinsame Honorarrichtlinie oder Honorarordnung für Ziviltechniker und Ingenieurbüros zu schaffen.

Nachstehende Gedanken und Betrachtungen beschäftigen sich mit dem Thema Planung im Wirtschaftsraum Europa.

Honorierung in anderen Ländern Europas

Nur wenige Länder in Europa sind mit bindenden Regulativen für die Honorierung von Ingenieurleistungen gesegnet. In den meisten Ländern bestehen, so wie auch in Österreich, lediglich Richtlinien bzw. Empfehlungen, die aber keinerlei Verbindlichkeiten für die Vertrags-partner haben.

Meist werden die Honorare als prozentualer Anteil der Herstellungskosten ermittelt; Pauschalhonorare sowie Zeithonorare sind ebenfalls gebräuchlich. Ein durchaus nachahmenswertes Konzept für eine integrierte Honorarordnung stellt nach wie vor die deutsche HOAI dar.

Preis- oder Leistungswettbewerb?

Mit wenigen Ausnahmen herrscht in den einzelnen Ländern Preiswettbewerb vor bzw. hat der Preiswettbewerb in beängstigendem Ausmaß zugenommen. In allen Ländern ist man mit dieser Entwicklung unzufrieden und wirbt dafür, nicht den niedrigsten Preis als Kriterium für die Auftragserteilung heranzuziehen, sondern geeignete Leistungskriterien anzuwenden.

Aufgrund der Komplexität heutiger Projekte werden vielfach Projektsteuerer eingesetzt (im Bild: Reichstag Berlin)

Organisationsstruktur der Planung

Die Arbeitsteilung führte zu einer zunehmenden technischen, ökologischen, juristischen und wirtschaftlichen Spezialisierung. Spartenbezogene Denkweise und Bearbeitung entsprechen jedoch nicht den heutigen Anforderungen an die Planung.

In dieser Situation verstärkt sich der Wunsch öffentlicher und privater Auftraggeber nach ganzheitlichen Leistungsangeboten. Die Planung von anspruchsvollen Projekten erfordert eine integrierte Arbeitsweise und entsprechende Planerkonstellationen.

Historisch gesehen wurde die Planungskoordination und das Projektmanagement durch den Objektplaner, den Architekten durchgeführt. Bedingt durch die Komplexität heutiger Projekte werden in vielen Ländern zunehmend professionelle Projektsteuerer und Projektmanager eingesetzt. Vermehrt sprechen Bauherren nicht mehr den Architekten, sondern bereits einen Projektsteuerer an.

Prüfverfahren

Eine Prüfung der Planung bzw. ein Prüfverfahren an der Planung erfolgt länderweise sehr unterschiedlich und reicht von freiwilligen Prüfungen, die der Auftraggeber selbst durchführt, über unabhängige und staatlich anerkannte Prüfingenieure bis zu behördlichen Prüfinstanzen.

Hervorzuheben ist dabei die Stellung des österreichischen Ziviltechnikers als europaweit insofern einmalig, als jeder Ziviltechniker berechtigt ist, öffentliche Urkunden zu errichten.

Leistungen der Planer

Die üblicherweise beauftragten Leistungen reichen von Vorplanung über Entwurfs- und Ausführungsplanung bis zur Bauüberwachung. Nicht in allen Ländern sind Ausführungsplanung und Bauüberwachung fester Bestandteil des Leistungsumfanges, es wird vielmehr die Ausführungs-planung vielfach von den ausführenden Unternehmen durchgeführt und die Bauüberwachung verschiedentlich getrennt von der Planung an ein anderes Büro oder überhaupt nicht vergeben.

Planungstiefe und Durcharbeitungsgrad bei gleich bezeichneter Leistung sind bei weitem nicht gleich.

Haftung

Auch die Gewährleistungs- und Haftungsverpflichtung des Planers weist über die Länder gesehen eine Vielfalt von Varianten und Möglichkeiten auf und zeigt z. B. beim Gewährleistungszeitraum eine Bandbreite von 2 bis 10 Jahren.

Abschluss sowie Inhalt und Umfang einer Berufshaftpflichtversicherung sind keineswegs überall verpflichtend und gleich.

Resümee

Länderweise gewachsene und damit sehr unterschiedliche Strukturen bestimmen das regionale und auch das internationale Planungsgeschehen in Europa.
Einheitliche Strukturen der Planung, einheitliche Planungsstandards und gar einheitliche Honorierungssysteme sind eine Vision, die zu realisieren es sich lohnt.