TGA-Planung 2001/2

„Ästhetischer Maßstab“ – Hauptbibliothek Wien

Ing. Dietmar Pahr, TGA-Planung 2001, WEKA-Verlag Wien, Seiten 40 bis 41

Der Neubau der Hauptbibliothek Wien bildet den fulminanten Abschluss für die Neugestaltung des Urban-Loritz Platzes im Zuge der Gürtel-Revitalisierung.

Architektur

Das vom Wiener Architekten Ernst Mayr geplante und aus einem EU-weiten Architekturwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt „Neubau Hauptbibliothek Wien“ setzt nicht nur konzeptionelle, sondern auch ästhetische Maßstäbe.

Im Gebäude sind Funktionsbereiche untergebracht wie Colleges, Musikbibliothek, Kindermedienzentrum, Buchung und Information, Veranstaltungsräume, Verwaltung, Büros, Zentralen sowie ein Cafe mit Dachterrasse.

Heizung

Die Wärmeversorgung der Hauptbibliothek erfolgt mittels Fernwärme aus dem Fernwärmenetz der Fernwärme Wien GmbH. Die dafür erforderliche Primär-Umformerstation samt sekundärer Verteil- und Pumpenstation ist im Erdgeschoss in der Technikzentrale eingeplant, die Anschlussleistung beträgt 850 kW.

Die Raumheizung funktioniert großteils mittels statischer Heizflächen wie Plattenheizkörper und Konvektoren bzw. in Sonderbereichen über Unterflurkonvektoren. Für das Cafe im Dachgeschoss ist eine Fußbodenheizung vorgesehen.

Kälte

Die Klimakaltwasserversorgung der Lüftungsanlagen sowie kältetechnischen Einrichtungen zur Nachkonditionierung der Raumluft in den Bibliotheksgeschossen sowie Sonderräumen im 1.OG erfolgt mittels einer luftgekühlten, zentralen Kälteanlage, welche im Technikgeschoss eingeplant ist.

Die Kälteleistung beträgt 330 kW. Über eine Verteil- und Pumpenstation sowie entsprechende Verteil- und Steigleitungen wird das Klimakaltwasser zu den Verbrauchern gefördert. Für Sonderräume wie EDV-Serverraum bzw. Funk- und Fernmelderaum im Bereich der Wiener Linien werden Kälteanlagen in Form von Splitsystemen realisiert.

In der Hauptbibliothek Wien sind verschiedene Funktionsbereiche untergebracht wie Kindermedienzentrum, Büros, Colleges, etc.

Lüftung – Klima

Für nachstehende Bereiche sind mechanische Lüftungsanlagen in Form von Zentralgeräten samt Luftverteilsysteme vorgesehen:
* Bibliotheksbereiche 2. und 3. OG,
* Bürobereich 1. OG,
* Cafe im DG,
* Veranstaltungsbereich im 3. OG,
* Bereich der Wiener Linien EG/ZWG.

Die Küchenabluft-Anlage (Cafe), Abluftanlagen für die Technikzentralen sowie Aufzugsmaschinenräume, Müllraum, WCs´s, etc. sind als Einzelventilatoren ausgeführt. Die Geschossverteilung der Luftschächte ab vertikaler Steigschächte erfolgt großteils im Zwischendeckenbereich des zu belüftenden Geschosses. Die oben beschriebenen Zentralgeräte erhalten Einrichtungen zur Luftkonditionierung wie Filterung, Heiz- und Kühlregister sowie teilweise Befeuchtung.

Sanitär

Das Trinkwasser stammt aus dem Stadtwassernetz der Gemeinde Wien. Ab dem Wassermesserschacht wird die Gebäudezuleitung für Trinkwasser bzw. Feuerlöschzwecke in die Technikzentrale/EG geführt. Über Verteil- und Steigleitungen werden die Verbraucher in den Nassgruppen mit Kaltwasser gespeist.

Die zugehörige Gebrauchswarmwasserbereitung erfolgt dezentral mittels Untertisch- bzw. Obertisch- sowie Flachspeicher für größere Nassgruppen. Als Feuerlöscheinrichtungen sind Nasssteigleitungen mit Wandhydranten gemäß TRVB F 128 vorgesehen.

Elektro

Für die Energieversorgung sorgen die Wiener Stadtwerke/Wienstrom mittels Einbindung in das bestehende Hochspannungsnetz von der erweiterten Trafostation im U-Bahn-Bauwerk der U6-Burggasse.

Der Leistungsbedarf beträgt inklusive Gleichzeitigkeitsfaktor und Reserve ca. 290 kW. Eine Ersatz-Stromversorgung bei Ausfall der öffentlichen Stromversorgung ist mit einem Ersatzstromaggregat (70 kVA) gewährleistet.

Im Erdgeschoss ist die Niederspannungshauptverteilung mit einer automatischen Blindleistungskompensation für die induktiven Lasten der Anlageteile vorgesehen. Für die Förder- und haustechnischen Anlagen sowie für die EDV-Anlage werden getrennte Abgänge ausgeführt.

Bereichsverteiler sind in den jeweiligen Geschossen installiert. Aus-gehend von der Niederspannungshauptverteilung erfolgt die Verteilung der Energiekabel über Steigschächte. In diesen Steigschächten werden die starkstrom- und schwachstrom-technischen Kabel und Leitungen geführt.

Das Lichtkonzept erfasst die unterschiedlichen Nutzungen und Anforderungen der verschiedenen internen wie externen Bereiche. Großteils werden hierfür Deckeneinbausysteme verwendet. Die Bibliotheksbeleuchtung im 2. und 3. OG wird mit einer tageslicht-abhängigen Lichtsteuerung ausgestattet.

Bei den Brandmeldeanlagen wird eine Anlage in Vollschutz gemäß TRVB S 123 errichtet, wobei über den TUS eine automatische Alarmierung erfolgt. Für Stiegenhäuser und Bibliotheksbereiche sind elektrisch angetriebene Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) vorgesehen, welche in das Gesamtbrandmelde-Anlagensystem eingebunden werden.

Die Anlageneinbindung der Telefon-, EDV- und Elektroakustikanlagen erfolgt in das Fernmeldenetz (Citynetz) der Stadt Wien. Für die Telefon- und EDV-Anlagen wird eine strukturierte Verkabelung bis zu den Arbeitsplätzen geführt. Was die EDV-Systeme betrifft, wird zwischen Textverarbeitung-, Verwaltung-, Informationssystem sowie Internetvernetzung unterschieden.

Die Elektroakustikanlage ist als allgemeine Durchsageanlage konzipiert und dient im wesentlichen der Notalarmierung.

Mess-, Steuer- und Regeltechnik

Die Mess-, Steuer- und Regelfunktionen der haustechnischen Anlagen werden über ein digitales Automationssystem (DDC-System) realisiert, das aus Automatisierungsgeräten, eingebaut in HLS-Schaltschränken, Peripheriegeräten und Systemsoftware besteht.

Über das Automationssystem werden die angeschlossenen Anlagen gesteuert, geregelt, überwacht und optimiert. Räume bzw. Zonen mit zusätzlicher Nachkonditionierung des Raumluftzustandes im Sommer erhalten eine Einzelraumregelung.

Fördertechnik

Die fördertechnische Erschließung der Hauptbibliothek erfolgt über vier Aufzüge und zwei Fahrtreppen.

Das Projekt:

Bauherr Magistrat der Stadt Wien, MA 13
Architektur/Planung: Arch. Mag. Ernst Mayr, Wien