TGA-Planung 2002/2

„Regenwald naturnah“ – TGA für Flora und Fauna

Ing. Johann Leibl, TGA-Planung 2002, WEKA-Verlag Wien, Seiten 32 bis 33

Das Regenwaldhaus im Tiergarten Schönbrunn in Wien bildet für Flora und Fauna einen möglichst naturnahen Lebensraum. Notwendige Voraussetzung, um die Natur „nachbauen“ zu können, ist eine entsprechende technische Gebäudeausrüstung, die sich in diesen naturnah nachgeahmten Lebensraum integrieren muss.

Optimierung durch Simulation

Um den Regenwald weitgehend nachbilden zu können, sind im Winter Raumtemperaturen von 25 bis 27°C und im Sommer bis maximal 35°, jeweils bei einer relativen Feuchte zwischen 60 und 90% erforderlich.

Basierend auf dynamischen Simulationsberechnungen über zu erwartende Raumtemperaturen und Besonnungsdiagrammen für das Glasdach konnten die Anlagenerfordernisse für die Konditionierung des Regenwaldhauses technisch und ökonomisch konzipiert werden. Dabei sind weder Sonnenschutzmaßnahmen noch eine mechanische Kühlung notwendig.

Dank der Nutzung der adiabaten Kühlung durch Wasserabgabe der Pflanzen und durch das Besprühen mit einer Kaltwasser-Sprühnebel-Anlage reicht bereits ein geringer Luftwechsel aus, um die geforderten Konditionen sicher zu stellen.

Lüftung & Heizung

Im Sommer besteht die Möglichkeit einer natürlichen Be- und Entlüftung über zu öffnende Glasflügel im oberen Bereich des Glasdaches, sowie ebenfalls zu öffnender Klappen im unteren Bereich des gewölbten Glas-daches.

Die Be- und Entlüftung der Halle und der Nebenräume erfolgt durch getrennte Lüftungsanlagen, wobei die Lüftungsanlage Halle zusätzlich noch eine Teilabdeckung des Wärmebedarfes übernimmt und für eine Grundfeuchte in der Halle sorgt.

Die Beheizung des Regenwaldhauses erfolgt vorwiegend über eine integrierte Wand- und Bodenheizung, die Glasflächen werden mit Warm-luft abgeschirmt. Die Wärmeversorgung erfolgt von einer bestehenden Übergabestation aus.

Zur Systemtrennung gegenüber den anderen Gebäuden im Tiergarten sind Plattenwärmetauscher vorgesehen. Hydraulische Schaltungen und Temperaturniveaus sind so konzipiert, dass sie später an das Netz der Fernwärme Wien angeschlossen werden können.

Wasser & Attraktionen

Attraktionen wie Gewittersimulation, Platzregen, Wasserfall, Wasserbecken, Wasserlauf und Hochdrucknebelerzeugung sind essentiell, will man den Regenwald annähernd naturnah präsentieren. Diese Attraktionen stellen aber auch besondere Anforderungen an die Wasseraufbereitung. Der Betrieb der Anlagen erfolgt mit vollentsalztem Wasser, das über Enthärtung mit nachgeschalteter Umkehr-Osmose aufbereitet wird.

Für die unterschiedlichen Beckensysteme, wie Gezeitenbecken, Paludarium, Wasserfallbecken und Becken für Zwergfischotter und Riesenschlange sind spezielle und für den Anwendungsfall entwickelte Umwälzfilteranlagen mit zusätzlicher Entkeimung und Temperierung vorgesehen.

Zur Gewittersimulation werden neben dem Regen über spezielle Anlagen auch Blitz und Donner erzeugt bzw. eingespielt. Eine Hochdruck-Nebelanlage sorgt für den „Nebel im Gebäude“.

Licht & Information

Über die normale Beleuchtung hinaus sind für die Pflanzen auch Lampen mit wachstumsfördernden Leuchtmitteln vorgesehen. Die Tiere können sich hingegen über Wärmelampen und UV-Leuchten freuen. Damit die Pfleger sie auch beobachten und überwachen können, wurden Videoanlagen installiert.

Die Besucher wiederum können über ein Informationssystem mit örtlichen Touch-Screens Informationen und Bilder abrufen und ansehen.

Für die Regelung, Steuerung und Überwachung aller Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung im Regenwaldhaus sorgt ein digitales Automationssystem mit zentraler Bedienstelle.

Bauherr Republik Österreich, vertreten durch die Burghauptmannschaft Österreich
Architekt: Architekten Neversal und Edelbacher & Hartmann, Wien
Herstellungskosten TGA: 2,107 Mio. EUR
Gesamtherstellungskosten: 10,174 Mio. EUR