TGA-Planung 2003

Zukunft findet Standort

Technologie und Forschungszentrum

Prok. Manfred Thonhauser
TGA-Planung 2003, WEKA-Verlag Wien, Seiten 26 bis 28

Niederösterreich startete eine groß angelegte Technologieoffensive, bei der unter anderem der Aufbau von Kompetenzzentren und Clustern unterstützt wird. Im Land unter der Enns haben sich vor allem drei wichtige Technologiestandorte herausgebildet: Wr. Neustadt, Tulln (mit Agrarbiotechnologie) und Krems (mit Biotechnologie). In Wr. Neustadt hat sich im Eco-Plus-Wirtschaftspark sowie auf dem angrenzenden Areal der Civitas Nova ein zukunftsweisender Forschungs- und Technikstandort, vor allem im Bereich Mikrosystemtechnik, entwickelt.

Das TFZ in Wiener Neustadt

Im Gebäude der ersten Ausbaustufe des TFZ wurde die Fachhochschule Wr. Neustadt untergebracht. Die darauffolgende zweite Ausbaustufe (Bauabschnitt 2 / BA2) war rasch ausgelastet – unter den Mietern befinden sich namhafte Forschungseinrichtungen, wie das Kompetenzzentrum für angewandte Elektrochemie ECHEM, das Rehabtechnikprojekt des Austrian Research Centers Seibersdorf, Forschungsprojekte der TU Wien, die Fotec GesmbH, unter anderem mit einem Reinraumprojekt und die Österreichische Gesellschaft für Mikrosystemtechnik.

Auf Grund der Auslastung des bestehenden Gebäudes und des großen Interesses für weitere Flächen wurde 2002 ein Erweiterungsbau begonnen. Das neue Gebäude (Bauabschnitt 3 / BA3) wurde mit einer Bruttogeschoßfläche von 4.700 m² errichtet. Im ersten und zweiten Obergeschoß sind die beiden Gebäude mit einer Brücke verbunden. Auch hier wurden vor Bauende schnell Mieter gefunden: Das neue Kompetenzzentrum für Tribologie, die Erweiterung des Projektes ECHEM, ein Projekt für Mikrosystemtechnik sowie ein Projekt des Austrian Research Centers Seibersdorf haben seit kurzem hier ihren Sitz.

Die architektonische Gestaltung dieses Gebäudes hat – wie schon beim Hauptgebäude – das Büro von Stararchitekt Prof. Mag. Arch. Wilhelm Holzbauer übernommen. Der Erweiterungsbau ist ebenfalls eine Spezialimmobilie mit hochwertiger Basisinfrastruktur, einem hohen Anteil von Labor-, Forschungs- und Werkstättenflächen und entsprechender TGA-Infrastruktur.

Heizung

Für die Abdeckung der mittels Fernwärme abgedeckten Gesamtwärmeleistung von 300kW (BA2: 680 kW) wurde ein Primärumformer eingebaut. Die Wärmeabgabe in den Büro- und Besprechungsräumen erfolgt über 4-Leiter-Gebläsekonvektoren (Fan-Coils), die Foyers wurden über Fußbodenheizungen und die Laborräume mittels Radiatoren beheizt.

Um eine den Mieterfordernissen angepaßte, flexible Raumteilung zu ermöglichen, wurde je Fensterachse ein Gerät bzw. ein Heizkörper angeordnet.

Kälte

Die Kälteversorgung der RLT-Anlagen bzw. kältetechnischen Einrichtungen zur Konditionierung des Raumluftzustandes in Büros und Sonderräumen erfolgt jeweils über die zentrale Kälteanlage in der Technikzentrale des Bauabschnittes 2.

Ausgeführt wurden wassergekühlte Kolbenverdichter, die in der Kältezentrale am Dach situiert sind. Die zur Zeit installierte Gesamtkälteleistung (für BA2 und BA3) beträgt 765 kW, wobei 230 kW Kälteleistung für den Bauabschnitt 3 zur Verfügung stehen. Zur Abdeckung der Winterkälte sind Glykorückkühler für Free-Cooling-Betrieb installiert. Für eine mögliche Erweiterung der Kälteanlage auf Grund steigender Nutzeranforderungen wurde ein Platzvorhalt in der Kältezentrale eingeplant.

Zusätzlich zur Raumentwärmung über die Lüftungsanlagen erfolgt die zur Nachkonditionierung der Büro- und Sonderräume erforderliche Kühlung mittels 4-Leiter-Gebläsekonvektoren; bei den Labors sind teilweise vor Ort situierte Nachkühlregister eingebaut.

Lüftung und Klima

Sämtliche Räume wie Lager, Gänge, etc., die nach den Vorschriften oder aus der Notwendigkeit der Nutzung heraus lufttechnisch behandelt werden müssen, werden be- und entlüftet.
Die diesbezügliche Ausstattung umfasst Einrichtungen für Luftfilterung, Wärmerückgewinnung und Lufterwärmung.

Räume mit Anforderungen an geregelte Temperatur im Sommer und Winter, wie Labor, Werkstätte und Maschinen-Labor sind teilklimatisiert und umfassen entsprechende Einrichtungen (Luftfilterung, Wärmerückgewinnung, Lufterwärmung und -kühlung). Zusätzlich wurde gemäß den Nutzungsanforderungen in Labors örtlich situierte, einzelregelbare Luftbefeuchteranlagen eingebaut.

Im Bauabschnitt 2 befindet sich auch ein Reinraum. Um die definierten Grenzwerte für den Betrieb zu gewährleisten, wurden entsprechende Einrichtungen zur Luftfilterung, Wärmerückgewinnung, Luft-Vorwärmung, -kühlung, -befeuchtung, -entfeuchtung, -nachheizung, zusätzliche Filterstufen sowie hochdichte Klappen integriert.

Deionisiertes Wasser

Das für den Laborbetrieb im Reinraum (in BA2) benötigte deionisierte Wasser wird durch eine Osmose-Anlage, der eine eigene Enthärtungsanlage vorgeschaltet ist, hergestellt. Die Anlage liefert 50l/h deionisiertes Wasser, das in einem 500l Tank zwischengespeichert wird. Um eine Verkeimung bei längerer Nichtentnahme zu vermeiden, wird das Osmose-Wasser aus dem Puffer-Tank über Filter, UV-Entkeimung und Mischbettpatronen wieder in den Tank gepumpt. Für den weiteren Ausbau wurden Abzweiger in der Steigleitung integriert.

Reinst-Gase / Technische Gase

Im BA2 und BA3 wurden für einige Mieter Flaschenbatterien mit automatischer Umschaltung für Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Pressluft (alle Reinst-Gasanlagen) sowie für Stickstoff und Helium (als technische Gase) in einem zentralen Flaschenlager eingebaut. Im BA2 wurde im zweiten Obergeschoss für den Mieter ECHEM ein Gaslagerraum (Reinst-Gase) mit automatischen Umschalteranlagen eingerichtet.

Gebäudeautomation

Zur rationellen Energienutzung und Betriebskostenoptimierung wurde ein digitales Automationssystem integriert, über das die haus- und betriebstechnischen Anlagen zentral überwacht, gesteuert, geregelt und optimiert werden können. Das GLT-System besteht aus Leitrechner, Bedienstation, Automatisierungsgeräten, HLS-Schaltschränken, Peripherie und Software. Auf Grund der Mieterbedürfnisse wurde in das System ein Einzelraumregelungssystem zur individuellen Raumkonditionierung und Lichtschaltung integriert.

Brandmeldeanlage

Für beide Bauabschnitte wurde jeweils eine eigene Brandmeldeanlage gemäß TRVB S 123 mitz automatischer Alarmierung an die Feuerwehr Wr. Neustadt geplant. Über die Brandfallsteuerung werden Türen, Brandschutzklappen, Rauchabzugsanlagen etc. angesteuert. Die Brandentrauchung wird im Alarmfall über sich automatisch öffnende Lichtkuppeln im Dach durchgeführt.

Sicherheitsanlagen

Der Anlagenaußenschutz umfasst die Zugangstüren im Gartengeschoss. Für den Innenschutz sind Leerverrohrungen für den optionalen Einbau von Türüberwachung, Türsprechstelle, Kartenleser und elektrische Türöffner durch die Mieter vorbereitet.

TGA-Planung und örtliche Bauaufsicht Schmidt Reuter GesmbH, Wien
Bauherr TFZ-Technologie und Forschungszentrum Wr. Neustadt GmbH / Mag. Gerhard Schmid
Architekt Büro Prof. Mag. Arch. Wilhelm Holzbauer / Arch. DI Erich Grasser
Gesamtherstellungskosten 13,6 Mio EUR (BA2 + BA3)
Herstellungskosten TGA 4,2 Mio EUR