TGA-Planung 2004

BioTechnologie-Zentrum Krems

Mustergültig: Bauherr und Gestaltung

Ing. Michael Schubert, Prok. Manfred Thonhauser
TGA-Planung 2004, WEKA-Verlag Wien, Seiten 40-41

Auf einem 84.000 m2 großen Areal ist in enger Kooperation zwischen der Stadt Krems, Eco Plus, der Donau Universität Krems, der IMC Fachhochschule Krems und dem Regionalen Innovationszentrum ein interessanter Betriebsstandort für Unternehmen aus dem Bereich Biomedizin geschaffen worden – der Bio Science Park, welcher Krems als Biotechnologie-Standort etabliert.

Die Ausbildungskonzentration im Bereich Biotechnologie durch Donau Uni Krems und FH mit entsprechenden Fachleuten dieses Bereichs sind ein wichtiger Indikator für neue Betriebsansiedlungen im Bereich Biotechnologie.

Um die Schulungs- und Forschungseinrichtungen haben und sollen sich technologische Zentren und Betriebsansiedlungen entwickeln, wodurch in Krems ein so genannter Technopol entstanden ist. So hat sich z.B. der Pharmakonzern Baxter mit einer Impfstoffproduktion in Krems niedergelassen.

Das im März 2003 eröffnete Biotechnologiezentrum Krems (BTZ) ist ein wesentlicher Teil des vom Land Niederösterreich bzw. von Eco Plus etablierten (Bio)Technologie-Standortes für diese Region, bei dem biotechnologische Wirtschafts- und Forschungsaktivitäten im Mittelpunkt stehen (z.B. Stammzellen-Forschung).

Extrem kurze Planungs- und Umsetzungsphase

Das BTZ stellt aus der Sicht eines TGA-Planers ein Musterbeispiel dar, wie die Kooperationsachse – Bauherr-Architekt-Planer-Ausführende – sein kann und sein sollte. Die Umsetzung des BTZ war von einer extrem kurzen Planungs- und Umsetzungsphase gekennzeichnet: Im Juli 2002 wurden erste Gespräche über das Projekt mit dem Bauherrn (Eco Plus BTZ / Mag. Gerhard Schmid), dem Architekturbüro Holzbauer (Arch. DI Erich Grasser), Statik Büro Ferro & Partner (DI Peter Ferro, DI Franz Höller) und Schmidt Reuter (Prok. Manfred Thonhauser, Ing. Michael Schubert) geführt. Der Einzugstermin für die Fachhochschule wurde mit Februar 2003 unumstößlich vorgegeben.

v.l.n.r.: Ing. Michael Schubert (Schmidt Reuter), Mag. Gerhard Schmid (Eco Plus / BTZ), Prok. Manfred Thonhauser (Schmidt Reuter)

Für die komplette Planung und Ausführung standen also in Summe nicht mehr als sechs Monate über den Winterzeitraum 2002/2003 zur Verfügung. Nur durch den permanenten, offenen Dialog, die Aufgeschlossenheit des Bauherrn und die volle Konzentration aller Planungsbeteiligten wie Ausführenden waren diese Vorgaben überhaupt zu schaffen. Erfreulicher Weise wurden auch die Nutzer in das Planungsgeschehen miteinbezogen – für die TGA-Planung, aber auch im Sinne von Komfort und Gebäudeinfrastruktur für die Nutzer selbst, ein sehr wichtiger Faktor, der beim BTZ trotz Zeitnot erfüllt wurde.

Durch die zeitlichen Rahmenbedingungen und die Tatsache, dass es sich um eine reine Winterbaustelle handelt, reduzierte die Liste möglicher Ausführender quasi von selbst. Erfreulicherweise war das Baugeschehen trotz Jahrhundert-Hochwasser und dank weiteren Glücks mit dem Wetter nicht weiter beeinträchtigt.

Flexible Nutzung und Auslegung

Für die nächsten 3 Jahre bietet das BTZ der IMC Fachhochschule Krems auf 3.300 m2 ausreichend Platz und Möglichkeit (Labors, Schulungsräume, …) zur Ausbildung neuer Fachkräfte. Nach dieser Zeit wird die FH umziehen und das BTZ anderen Unternehmen und Forschungsinstitutionen, die sich vom Bio Science Park angezogen fühlen, als Ansiedlungsmöglichkeit dienen.

Das Wissen um das „Ablaufdatum“ der jetzigen Nutzung floss in die TGA-Planung ein: Durch größere Zwischendecken, entsprechende Leerverrohrungen kann das BTZ den Bedürfnissen der kommenden Nutzer angepasst werden. Auch für eine spätere Erweiterung der Lüftungsanlagen, evtl. hinzukommende Abwasserbereitungsanlagen und für den Einbau von Reinräumen wurden Technikflächen eingeplant.

Heizung

Die Labor- und Seminarräume im Erdgeschoß werden über die Lüftungsanlage beheizt. Die Wärmeabgabe in den Administrations- und Seminarräumen des Obergeschoßes erfolgt mittels 4-Leiter Fan Coils. Die Gänge und die Räumlichkeiten im Keller werden mit Gebläsekonvektoren bzw. Radiatoren beheizt. Durch die Ausrichtung der Fan Coil – Aufstellung je Fensterachse wurde für spätere Vermietungen die Möglichkeit für flexible Raumteilungen erreicht.

Kälte

Die Versorgung der RLT-Anlagen bzw. der Einrichtungen zur Konditionierung der Raumluftzustände in Büros, Seminarräumen und Laborbereichen mit Kälte erfolgt über eine zentrale Kälteanlage (Gesamtleistung 165 kW) in der Technikzentrale im Dachgeschoß.

Zur Abdeckung der Winterkälte ist ein Glyko-Rückkühler für Free-Cooling-Betrieb installiert. Für eine mögliche Erweiterung der Kälteanlage wurde in der Technikzentrale ein Platzvorhalt eingeplant.

Gebäudeautomation

Zur rationellen Energienutzung und Betriebskostenoptimierung wurde ein digitales Automationssystem integriert, über das die haus- und betriebstechnischen Anlagen zentral überwacht, gesteuert, geregelt und optimiert werden können. Auf Grund der Mieterbedürfnisse wurde in das System ein Einzelraumregelungssystem zur individuellen Raumkonditionierung und Lichtschaltung integriert.

TGA-Planung und örtliche Bauaufsicht Schmidt Reuter Planung für Betriebs- und Gebäudetechnik GesmbH, Wien / Prok. Manfred Thonhauser, Ing. Michael Schubert
Bauherr Eco Plus / Biotechnologiezentrum Krems GesmbH / Mag. Gerhard Schmid
Architekt Büro Prof. Mag. Arch. Wilhelm Holzbauer / Arch. DI Erich Grasser
Statik Ferro & Partner / Franz Höller
Bauphysik DI Habian