TGA-Planung 2005

Q19 Einkaufszentrum

Herausforderung durch Alt + Neu

Prok. Manfred Thonhauser, TGA-Planung 2005, WEKA-Verlag Wien, Seiten 28-29

Der Spar-Konzern bzw. dessen Finanz-Tochter, die DHP Immobilien-Leasing GesmbH, beleben bis Herbst 2005 die alte Papierfabrik in Wien-Heiligenstadt zu einem neuen Einkaufs- und Freizeitparadies.

Neben einem Interspar-Supermarkt und einem Interspar-Restaurant werden weitere Shops die rund 11.000 m2 Verkaufsfläche belegen und das neue „Quartier“ im 19. Wiener Gemeindebezirk (Q19) zu dem Anlaufspunkt für Einkaufshungrige machen. Ein Billard-Lokal und ein Fitnessstudio zählten schon vor Baubeginn zu den Mietern, deren Betrieb nahezu ungestört weiterläuft.

Das ist aber nicht die einzige Herausforderung, wie der engagierte Projektleiter DI Rudolf Rahofer von der Bauabteilung Spar Österreich erklärt: „Das Projekt ist sehr komplex, da das historische Gebäude der Samum Papierfabrik unter Denkmalschutz steht und in das neue Einkaufszentrum mit eingebunden wird.“

Bei der Samum (Zigaretten-)Papierfabrik handelst es sich um einen der ältesten und auffälligsten Betonskelett-Bauten Wiens – ein Architektur-Juwel, genauso wie der gleich gegenüberliegende „Karl-Marx-Hof“.

Und noch ein architektonisches Detail steht mit dem Q19-Projekt in Verbindung: Die Firma Samum beauftragte 1919 die beiden Bauhaus-Studenten Franz Probst und Otto Breuer mit der Konzeption von Werbeplakaten, die seinerzeit höchst umstritten und sehr auffällig waren.

Als „sehr auffällig“ kann auch die Statik des altem Samum-Gebäudes gewertet werden: die Geschoßdecken sind kaum 5 cm dick und hielten über Jahrzehnte den Maschinen stand. Für Bauherr, Statiker, Planer und Ausführenden aber eine weitere Herausforderung, denn das Gebäude muss Erdbeben sicher ausgestaltet werden. „Lamellenverstärkungen und die neu eingezogenen Stiegenhäuser geben dem alten Gemäuer nun die gewünschte Sicherheit“, erklärt Rudolf Rahofer.

Spar Österreich bzw. DHP Immobilien-Leasing errichten in Wien 19 ein neues Einkaufszentrum und binden die Denkmal geschützte Samum Fabrik ein.

Die Verbindung zur alten Papierfabrik und dem neu errichteten Teil des Einkaufszentrums wird ein großes Stahl-Glasdach bilden. Dadurch wird auch ein interessantes Spiel von Natur- und Kunstlicht ermöglicht, das zu einer Innenstadt-Atmosphäre beitragen soll. Für eine optimale Atmosphäre wird aber auch die technische Gebäudeausrüstung sorgen.

Heizung

Die Heizmittelversorgung erfolgt ganzjährig aus dem Fernwärmenetz der Fernwärme Wien. Der Gesamtwärmebedarf wurde mit 2400 kW ermittelt. Für die Beheizung des Alt- und Neubaues dienen die Lüftungsanlagen, Radiatoren sowie Torluftschleieranlagen, bei den Ein- und Ausgängen. Weiters sind Rampenheizungen bei der Ein- und Ausfahrt in die Tiefgarage sowie bei der Auf- und Abfahrt zu den Parkdecks vorgesehen.

Kälte

Für die Abdeckung der Kühllast, welche mit 1150 kW ermittelt wurde, dienen zwei Kaltwassersätze, wobei ein Kaltwassersatz mit einer Leistung von 620 kW am Dach des Neubaues und ein Kaltwassersatz mit einer Leistung von 780 kW am Dach des Altbaues aufgestellt werden.

Damit werden auch zusätzliche Anforderungen einzelner Shops, welche höhere interne Wärmelasten haben, abgedeckt. Ein Free-Cooling-Betrieb für die Wintermonate ist ebenfalls vorgesehen.

Lüftung – Klima

Für die Raumkonditionierung sind Teilklimaanlage mit einer Gesamtluftmenge von rund 200.000 m³/h und variablem Volumenstrom geplant. Die Luftbehandlungsgeräte werden in den Dachtechnikzentralen am Neubau und Altbau aufgestellt.

Für die Shops und Restaurants endet das Zu- und Abluftkanalsystem mit den variablen Zu- und Abluftvolumenstromreglern des jeweiligen Mietbereiches. Der Vollausbau wird durch die Einmieter durchgeführt.

Der Mallbereich, der Intersparmarkt sowie das Intersparrestaurant werden komplett ausgestattet. Sämtliche Anlagen sind mit Wärmerückgewinnungsanlagen ausgestattet.

Für die Tiefgarage und die Shops sind mechanische Brandrauchabsauganlagen mit einem Gesamtluftvolumenstrom von rund 300.000 m³/h vorgesehen. Die CO-Lüftung der Tiefgarage wird ebenfalls mit Brandgasventilatoren der BRA betrieben.

Sanitär

Für das Intersparrestaurant und für den TANN-Bereich werden zentrale Warmwasserbereitungsanlagen gebaut. Als Blickfang werden in der Mall Wasserbecken und Skulpturen, welche von Künstlern entworfen werden, errichtet. Für diese Anlagen wird als Umlaufwasser Osmosewasser verwendet.

Starkstrom

Die Energieversorgung erfolgt aus dem 10 kV-Mittelspannungsnetz der Wienstrom AG. Es wird eine Trafostation (Wienstromstation) mit drei Transformatoren à 800 kW aufgestellt.

Die Ersatzstromversorgung wird durch ein Notstromaggregat mit einer Leistung von 450 kVA gewährleistet.

Schwachstrom (Nachrichtentechnik)

Für das EKZ-Heiligenstadt ist eine Brandmeldeanlage (Vollschutz) mit einem TUS-Anschluss zur Alarmierung der Feuerwehr vorgesehen. Die CO-Lüftung des Garagenbereiches im 1. und 2. Untergeschoß wird über CO-Wertmessfühler angesteuert.

Es werden zwei getrennte Videoüberwachungen – eine für den gesamten Erdgeschoß- und Obergeschoßbereich, für die Parkflächen im 1. und 2. Untergeschoß sowie für die Parkdeckes errichtet. Im 1. und 2. Untergeschoß wird das bewährte Parkleitsystem mit einer Einzelstellplatzanzeige mit Ultraschallentfernungsmessung und optischer rot/grün Anzeige ausgeführt.

Für die Parkdecks erfolgt die Ermittlung der Stellplatzauslastung mittels Zählschleifen (Induktionsschleifen) im Bereich der Rampenauf- und -abfahrt. Bei den Zufahrten in das 1. und 2. Untergeschoß und zu den Parkdecks ist eine Gesamtanzeige der noch freien Stellplätze vorgesehen.

Gebäudeautomation

Die mess-, steuer- und regelungstechnischen Funktionen für die Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung werden über ein digitales Automationssystem (GLT-System) realisiert. Für die Shopbereiche sind Einzelraumregelungen vorgesehen.

Sämtliche Beleuchtungssteuerungen erfolgten über das Automationssystem. Die Steuerung erfolgt automatisch über ein Jahreszeitschaltprogramm. Weiters ist eine E-max-Überwachung für die Abschaltung von Verbrauchern zur Vermeidung von Lastspitzen vorgesehen.

Fördertechnik

Die Erschließung des Einkaufszentrums für den vertikalen Kundenverkehr erfolgt über Seil-Panorama-Personen-Aufzüge – zwei 3er-Gruppen. Für die Erschließung der Bürobereiche dienen zwei maschinenraumlose Seil-Personen-Aufzüge.

Insgesamt werden für den Personentransport zwischen den Garagengeschoßen und den Kundenbereichen im Erdgeschoß und 1. Obergeschoß acht Fahrtreppen eingebaut.

Für die Anlieferungsbereiche sind drei Hydraulik-Ladebrücken vorgesehen.

Die Planenden des Q19-Projektes (v.l.):
Arch.DI Andreas Mikula (Arch. P.Lorenz), Prok. Manfred Thonhauser (Schmidt Reuter), DI Rudolf Rahofer (Projektleiter Spar/DHP), DI Martin Schoderböck (Werkraum ZT), Rudolf Zwinz (Schmidt Reuter)

Projektdaten

Bauherr DHP Immobilien Leasing GmbH / PL DI Rudolf Rahofer
Architekt Atelier Peter Lorenz + Partner /
Arch. DI Martin Franzmair, Arch. DI Andreas Mikula
Statik und Bauaufsicht Werkraum ZT OEG / DI Martin Schoderböck
TGA-Planung und örtliche Bauaufsicht Schmidt Reuter Planung für Betriebs- und Gebäudetechnik GesmbH, Wien / PL Prok. Manfred Thonhauser, Ing. Rudolf Prokesch
Gesamtinvestition 45 Mio EUR