TGA-Planung 2006/1

Gebäudetechnik der Extraklasse

General Aviation Center mit Hangar am Wiener Flughafen

Im Zuge der Erweiterung des Flughafens Wien entstand ein neues General Aviation Center mit angeschlossenem VIP-Bereich sowie ein dazugehöriger Einstellhangar.

Das VIP/GAC-Gebäude enthält drei VIP-Lounges, ein Restaurant mit eigener Küche, Büroeinheiten, die an Privatfluggesellschaften vermietet werden sollen, Räume für Polizei, Zoll und einen Duty-Free Shop sowie Betriebsräume der Flugsicherungsgesellschaft ACG. Im Nebengebäude des Hangars sind Büros und Technikräume untergebracht.

Schmidt Reuter war, nach gewonnenem Wettbewerb, in einer Planungsgemeinschaft mit dem Generalplaner Holzbauer & Partner, für die Planung der gesamten Gebäudetechnik verantwortlich. Eine besondere Herausforderung war dabei der Zeitplan: Planungsbeginn war 2004, im Jänner 2005 wurde zu bauen begonnen, Anfang November 2005 waren die Gebäude fertiggestellt. Überaus hoch war auch der architektonische Anspruch, der eine besonders durchdachte Leitungsführung, besonders in den VIP-Lounges, erforderte.

Heizung

Die Wärmeversorgung erfolgt über das Fernwärmenetz und zwei Umformerstationen, jeweils eine für jedes der beiden Gebäude, von denen aus das Heißwasser zum Heißwasserverteiler gepumpt wird.

Geheizt wird im VIP/GAC Gebäude über Radiatoren, Konvektoren und Fußbodenheizung. In den Büroräumen erfolgt die Ausbringung der erwärmten Luft über Fan Coils, in den VIP-Lounges über Quellluftauslässe. Die Heizzentrale befindet sich im 1. Untergeschoß des Gebäudes.

Die Hangarhalle wird über Deckenstrahlplatten mit einer Vorlauftemperatur von 110°C beheizt, zur Abdeckung des Kaltlufteinfalls über das Hangartor sind Torluftschleier vorgesehen.

Kältetechnik

Die Versorgung der Lüftungsanlagen bzw. kältetechnischen Einrichtungen des VIP/GAC Gebäudes mit Klimakaltwasser erfolgt über eine autarke Kältezentrale. Zur Anwendung kommt dabei eine luftgekühlte Schraubenmaschine.

Das Kältegerät ist als kompaktes, luftgekühltes System mit Free-Cooling Möglichkeit geplant. Die Situierung der Anlage erfolgt im Bereich der Kältezentrale im Obergeschoß des GAC-Gebäudes im Freien. Die Kältezentrale versorgt die Lüftung und die Gebläsekonvektoren.

Die Kälteversorgung des Hangar-Nebengebäudes erfolgt über Split-Geräte.

Lüftungstechnik

Die Belüftung erfolgt vollständig über Frischluft, sämtliche Klima- und Lüftungsanlagen sind zur Kostenoptimierung mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet. Die Situierung der Anlagen erfolgt in den Haustechnik-Zentralen im Untergeschoß (VIP/GAC-Gebäude) bzw. im Erdgeschoß (Hangarnebengebäude). Im Hangar ist eine mechanische Brandrauchentlüftung ausgeführt worden, die von der Brandmeldeanlage gesteuert wird.

Im VIP-Bereich erfolgt die Regelung der Lüftung sowohl hygieneabhängig als auch temperaturabhängig. In der Küche ist ein Deckenlüftungssystem installiert, in dem die Luft auch gereinigt wird.

Sanitärtechnik

Die Kaltwasserversorgung erfolgt aus dem örtlichen Trinkwasserleitungssystem. Jedes der beiden Gebäude ist mit eigener Warmwasserbereitung ausgerüstet. Die Leistungsentnahme für die Warmwasserbereitung erfolgt aus der primären Fernwärmeleitung. Über einen Wärmetauscher wird das Heizmedium den Warmwasserspeichern zugeführt. Die Auswahl der sanitären Ausstattungsgegenstände für den VIP-Bereich erfolgte in enger Abstimmung mit dem Architekten in anspruchsvollem Design und aus exquisiten Materialien.

Besondere Vorkehrungen waren für die Feuerlöscheinrichtung im Hangar erforderlich. Es sind Wandhydranten gemäß TRVB 128 Ausführung 2 geplant. Die Auslegung der Versorgungsleitungen erfolgt so, dass an dem am meisten entfernten Wandhydranten eine Gesamtentnahme von 600 l/min bei einem dynamischen Druck von mindestens 3 bar gewährleistet ist.

Die vorgenannte Feuerlöschanlage wurde mit einer Wasser-Schaum-Anlage zur effizienten Brandbekämpfung ausgestattet. Diese Anlage ist von der Wasserversorgung hydraulisch getrennt.

Elektrotechnik

Die Energieversorgung erfolgt über eine neue Trafostation und den angrenzenden Niederspannungsverteiler im Untergeschoß des VIP/GAC Gebäudes. Die Trafostation wird in das Hochspannungsnetz des Flughafens eingebunden und ist mit zwei Trafos für Netzversorgung ausgerüstet. Für einen späteren Ausbau sind zwei Trafoboxen als Reserve vorgesehen.

In der Trafostation sind auch die Hochspannungschaltfelder für Einspeisung und Trafoabgang angeordnet.

Besonders hervorzuheben sind die Anforderungen der Sicherheitstechnik. Im ganzen Areal ist zur Überwachung des Aus- und Einreisebereichs eine Vielzahl von Kameras installiert, deren Versorgung aus dem Netz und alternativ über das flughafeneigene Notstromnetz sichergestellt sein muss. Für bestimmte Bereiche ist auch eine Zutrittskontrolle vorgesehen, etwa um die erfoderliche Trennung Land-Side/Air-Side sicherzustellen.

Es ist eine Brandmeldeanlage im Vollschutz gemäß TRVB 123 vorgesehen. Die automatische Überwachung im VIP/GAC-Bereich erfolgt mittels optischer Rauchmelder in Allgemeinbereichen, Büro- und Technikräumen. Im Restaurant und in der Küche sind für die Überwachung Wärmemelder vorgesehen. Die manuelle Auslösung erfolgt mit Druckknopfmelder.

Im Hangarbereich werden die Allgemeinbereiche, Büros und Lagerflächen mit optischen Rauchmeldern überwacht. In den Werkstätten sind Wärmemelder vorgesehen. Im Hangar ist ein Rauchansaugsystem für die automatische Überwachung vorgesehen. Die manuelle Auslösung erfolgt mit Druckknopfmelder.

Die Alarmierung erfolgt im VIP/GAC-Gebäude sowie im Hangarnebengebäude mit Sirenen. Eine Lautsprecheranlage ist für Durchsagen vorgesehen. Die Brandmeldeanlage wird in das bestehende Flughafensystem eingebunden.

MSR-Technik/Gebäudeautomation

Es kommt ein digitales Automationssystem zur Anwendung. Alle Überwachungs- und Störmeldungen werden an die bestehende zentrale Gebäudeleittechnik des Flughafens gemeldet. Zusätzlich werden Störmeldungen an den MSR-Schaltschränken im VIP-Bereich angezeigt.

Fördertechnik

Es wurden ein Personen- und ein Lastenaufzug im VIP/GAC-Gebäude errichtet. In beiden Fällen kommen maschinenraumlose Modelle zur Anwendung, die sich eines getriebelosen Synchronmotors im Schachtkopf bedienen.

Bauherr Flughafen Wien AG
Generalplaner Holzbauer & Partner
TGA-Planung Schmidt Reuter
Herstellkosten gesamt € 13.500.000.-
Herstellkosten TGA € 3.500.000.-

(alle Bilder: TGA / Sachs)