TGA-Planung 2009

Gustav Pummer
TGA-Planung 2009, WEKA-Verlag Wien

Die größte Passivhaus-Siedlung Europas

Wohnhausanlage Eurogate, Wien

Auf den ehemaligen Aspanggründen im dritten Wiener Gemeindebezirk entsteht die größte Passivhaussiedlung Europas. Gebaut wird auf sechs Bauplätzen des insgesamt 20 ha großen Stadtentwicklungsgebietes „Eurogate“.


Schmidt Reuter ist für die Bauplätze 4 und 5 für die Planung der gesamten Gebäudetechnik verantwortlich. Die Gebäude werden über die angrenzenden Straßen Aspangstraße über den Ziakplatz und eine neu zu projektierende Straße erschlossen. Insgesamt entstehen ca. 235 Wohnungen.

Die architektonische Planung wird vom Architekturbüro Johannes Kaufmann durchgeführt.

Heizungstechnik

Der Energiebedarf für die Heizwärme liegt in den Gebäuden unter 15 kWh pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche. Damit weisen sie nicht nur geringe Heizkosten auf, sondern leisten auch einen Beitrag zur Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Die Wärmeversorgung der Wohnhausanlage erfolgt mittels Fernwärme aus dem Netz der Fernwärme Wien.

Für die Raumheizung wird grundsätzlich vorkonditionierte Luft herangezogen. Zusätzlich werden auch Radiatoren installiert. Diese Radiatoren werden mittig über den jeweiligen Zimmertüren situiert und mit einem Raumthermostat zur raumweisen Bedienung und Einstellung ausgestattet.

Um die Verluste im Verteilsystem der Heizung so gering wie möglich zu halten, sind die Steigschächte generell in der warmen Hülle der Gebäude situiert.

Lüftungstechnik

Die Gebäude werden mit zentralen Lüftungsgeräten geplant. Alle Anlagen sind mit einer effizienten Wärmerückgewinnung (Wärmerückgewinnungsgrad größer als 75 %) ausgestattet.

Die Zu- und Abluftleitungen der Lüftungsanlagen sind so konzipiert, dass die maximale Stromaufnahme der Lüftermotoren einen Wert von 0,44 W/m³h (Passivhausrichtlinie) nicht überschreitet.

Die Situierung erfolgt in den Haustechnikzentralen im Untergeschoß. Über Schächte wird die Zu- bzw. Abluft zu den einzelnen Wohneinheiten geführt. Beim Schachtaustritt sind pro Wohnung variable Volumenstromregler integriert, um die Luftmenge auch individuell regeln zu können. Die Regeleinheit ist im Aufenthaltsbereich der Wohnung (Wohnraum) situiert – drei Luftvolumenströme sind einstellbar. Im Sinne der kontrollierten Wohnraumlüftungen wird jede Wohnung auf einen ausgeglichenen Lufthaushalt konditioniert. Eine wesentliche Anforderung an die Lüftung der Wohnungen stellt der Schallschutz dar. Um den zulässigen Schalldruckpegel nicht zu überschreiten, sind Schalldämpfer in den Leitungen beim Eintritt in jeden Wohnbereich vorgesehen. Konditionierte Luft wird in die Wohnungen Aufenthaltsbereiche wie Wohnzimmer, Schlafzimmer, etc. zugfrei eingebracht. Die Absaugung der Luft erfolgt in den Nebenräumen wie Küche, Bad bzw. WC.

Für die Tiefgaragen bzw. Müllräume sind eigene Lüftungsanlagen vorgesehen.

Die Brandentrauchung der Garage erfolgt statisch über Schächte ohne Luftkanalsystem.

Für die Betriebslüftung der Garage ist eine mechanische Abluftanlage vorgesehen. Die Nachströmung der Frischluft erfolgt natürlich über Schächte.

Sanitärtechnik

Die Trinkwasserversorgung erfolgt aus dem öffentlichen Trinkwassernetz der Wiener Wasserwerke.

Über die Garagen erfolgt die Verteilung zu den einzelnen Technikzentralen und Wohnungssteigschächten. Für die Warmwasserbereitung ist für jeden Bauteil eine eigene Anlage vorgesehen. Um Legionellen-Freiheit im System zu erreichen ist die Anlage so konzipiert, dass eine thermische Dekontamination (kurzzeitiges Aufheizen des Warmwassers auf ca. 70 °C) durchgeführt werden kann.

Die Schmutz- und Regenabwässer werden innerhalb der Gebäude als Trennsysteme geführt.

Elektrotechnik

Die Elektroversorgung erfolgt durch die Wiener Stadtwerke/Wienstrom mit einer eigenen Trafostation.

Die Niederspannungshauptverteiler sind in den Haustechnikräumen im Untergeschoß situiert. Um den Stromverbrauch zu verringern, sind Energiesparlampen eingeplant.

Die Stromzählung der Wohneinheiten ist so angeordnet, dass von einem neutralen Ort im Untergeschoß alle Zähler eingesehen bzw. gewartet werden können.

Das Verteilnetz ist nach folgenden Gesichtspunkten geplant:

  • geringer Spannungsabfall durch gute Lastaufteilung und ausreichenden Kabelquerschnitt
  • platz- und kostensparende Installation
  • betriebssicher und langlebig, erweiterbar durch Platz- und Leistungsreserven

Für Garage und Sonderflächen (Geschäfte) ist eine Brandmeldeanlage mit Anbindung (TUS) an die Feuerwehr vorgesehen.

Im Bereich des Feuerwehrangriffsweges sind Blitzleuchte, Schlüsseltresor, Feuerwehrbedienfeld, abgesetztes Bedienfeld der Brandmeldezentrale, TUS-Druckknopfmelder und Plankasten für die Feuerwehr angeordnet. Um Fehlalarme in den Garagen zu vermeiden, ist eine Zwei-Gruppen-Abhängigkeit vorgesehen.

Zur Erfassung des jeweiligen CO-Gehaltes in der Luft der Garagen ist eine CO-Anlage geplant. Diese Anlage ist mit der Garagenlüftungsanlage verknüpft. Bei Überschreiten des Schwellwertes wird die Betriebslüftung der Garage automatisch in Betrieb genommen.

Für die Medienversorgungen wie Kabel-TV, SAT-Anlagen, Telefon bzw. Internet sind Leerverrohrungen vorgesehen.

Die Blitzschutzanlage wird als äußerer Blitzschutz – Auffangnetz auf den Dachflächen, Einbeziehung aller metallischen Aufbauten – und als innerer Blitzschutz – Schutz von Spannungsspitzen und Stromstößen durch Blitzeinschläge – ausgeführt.

Fördertechnik

Die Bauteile werden mit Seil-Personen-Aufzügen ausgestattet. Bei allen Aufzügen kommen maschinenraumlose Modelle zur Anwendung, die sich eines getriebelosen Synchronmotors im Schachtkopf bedienen.

Bauherr BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH
TGA-Planung Schmidt Reuter Planung für Betriebs- und Gebäudetechnik GmbH
Architekt Johannes Kaufmann Architektur
Bruttogrundrissfläche (BGF) 27.500 m²
Baubeginn 2009
Fertigstellung 2010