TGA-Planung 2012

DI Thomas Tapfer

Ein Multifunktionskomplex am STAR22

Ein Zentrum für alle

Unter diesem Titel entwickelt die Wienholding gemeinsam mit der Wirtschaftsagentur Wien am ehemaligen Waagner-Biro-Gelände im 22. Bezirk das Kernprojekt von Neu-Stadlau.
Unter der Federführung von Heimbau entsteht am Gelände von STAR22 ein Caritas-Haus, ein Studierendenheim, ein Merkurmarkt und ein Restaurant. Dieser von b18 Architekten geplante Multifunktionskomplex umfasst zusätzlich noch eine Tiefgarage mit rund 300 Stellplätzen. Eine großzügige Piazza bildet ein Kommunikationszentrum für die unmittelbar angrenzenden Bürogebäude.

Das Vorhaben

Der Ausgangspunkt in der Planung des Caritas-Hauses ist das zukunftsorientierte Pflegekonzept von Hausgemeinschaften. In Elf Wohngruppen leben jeweils 12 bis 14 BewohnerInnen in familiärer Atmosphäre, unterstützt von einem professionellen Betreuungsteam. Zentraler Begegnungspunkt in den Wohngemeinschaften ist die Wohnküche, wo die BewohnerInnen gemeinsam kochen und hauswirtschaftliche Tätigkeiten verrichten. Damit sollen in einem natürlichen Tagesablauf eingebettet die Alltagskompetenzen erhalten und gestärkt werden. Zwei Wohngruppen sind für spezielle Menschen mit Demenz bestimmt. Ein unmittelbar angrenzender Therapiegarten erweitert den Alltagsbereich ins Freie.

Ein weitere Gartenbereich steht als Treff- und Verweilpunkt für Jung und Alt sowohl dem Caritas-Haus als auch dem Studierendenheim zur Verfügung.

Mit 367 Betten erweitert das Studierendenheim „base22“ das Angebot von „Base – Home for Students“ mit einem attraktiven, verkehrstechnisch gut erschlossenen Studenten-Hostel. Neben dem Gartenbereich wurden auf mehreren Ebenen diverse Gemeinschaftsräume für Unterhaltung, Fitness und Lernräume vorgesehen. Zwei Waschküchen runden das Angebot für die StudentInnen ab.


Nahversorgungseinrichtungen wie ein Merkur Markt, ein Restaurant sowie die Tiefgarage stellen dank der offen konzipierten Piazza auch für die angrenzenden Büros sowie für die in der Nachbarschaft errichteten Wohnkomplexe ein ansprechendes Angebot dar.

Die gartenarchitektonische Grünfläche der Pizza ladet zum Verweilen und zum Flanieren ein.

Die Technische Gebäudeausrüstung

Eine besondere Herausforderung an die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) bestand darin, die unterschiedlichen Nutzungs¬anforderungen der einzelnen Betriebseinheiten optimal und effizient umzusetzen.

Durch die besondere bauliche Anordnung der einzelnen Gebäude der über der Tiefgarage angeordnete Verbrauchermarkt und darüber die beiden Bauteile des Studierendenheims und Pflegeheim galt der Trassenführung ein besonderes Augenmerk.

Des Weiteren soll die technische Gebäudeausrüstung eine effiziente und kosten¬günstige Betriebsführung ermöglichen.

Nach Festlegen der Basisdaten wurden folgende Anlagen geplant:

Lüftungsanlagen

Für sämtliche Zimmer im Studierendenheim sowie für die Bewohnerzimmer des Caritas-Hauses wurde eine kontrollierte Wohnraumlüftung geplant. Die Zuluft wird dabei in die Zimmer eingebracht und über die Nassgruppe abgesaugt.

Alle Lüftungsanlagen sind als kombinierte Zu- und Abluftgeräte mit 2-stufigem Filter, Heizen und Wärmerückgewinnung ausgestattet. Eine Nachrüstung für eine optionale Kühlung wurde vorgesehen. Zur optimalen Kanalführung wurden die Anlagen für Studierendenheim und Caritas-Haus auf dem Dach, für den Merkurmarkt und das Restaurant im Untergeschoss situiert.

Für die Küchenbereiche, die Cafeteria und den Multifunktionsraum des Caritas-Hauses wurde eine eigene Lüftungsanlage im Erdgeschoss untergebracht. Um den unterschiedlichen Betriebszuständen dieser Anlage gerecht zu werden, wurde die Anlage mit einem variablen Volumenstromsystem ausgestattet.

Druckbelüftungen für Aufzugsanlagen sowie für die Fluchtstiegenhäuser wurden in Abstimmung mit dem Brandschutzkonzept für das Caritas-Haus (Räumungskonzept) und das Studierendenheim (Aufenthaltskonzept) vorgesehen.


Für die brandschutztechnische Trennung in den Lüftungsanlagen des Caritas-Hauses sind die Wohneinheiten mit Feuerschutzabschlüssen mit mechanische Verschlusselementen (FLI-VE90) sowie im Studierendenheim mit Brandschutzstutzen (FLI-90), ausgestattet. Den Rauchübertrag verhindern Entrauchungsklappen je Wohneinheit.

Heizungsanlage

Je Funktionseinheit ist eine eigenständige zentrale Warmwasserbereitung samt Speicher vorgesehen. Die Anlagen sind mit Zirkulations-leitungen ausgestattet.

Zur Legionellenbekämpfung ist das System mit dem zugehörigen Wärmetauscher so ausgelegt, dass bei den Auslaufstellen mit einem 70 °C Warmwasser eine 3-minütige Auslaufspülzeit durchgeführt werden kann.

Wasseraufbereitung

Für den Betrieb der Kleinküchen- und Geschirrspülanlagen des Caritas-Hauses sowie für den Gewerbebetrieb des Restaurants sind jeweils gesonderte Enthärtungsanlagen unterschiedlicher Leistungskapazität vorgesehen.

Entwässerung

In dem Gebäudekomplex sind drei Abwasserarten zu entsorgen:
– Regenwasser
– Schmutzwasser
– Industrielle Abwässer

Die Schmutz- und Regenabwässer werden innerhalb des Gebäudes als Trennsystem geführt. Das Regenwasser wird sowohl mittels gravitativem System (z.B. Dachebenen) als auch mit Unterdrucksystemen (Therapiegarten) entsorgt. Das Rohrleitungssystem ist dabei für einen Starkregen mit mind. 400 l/s x ha ausgelegt.

Industrielle Abwässer werden über Leichtflüssig¬keitsabscheider (Tiefgarage) sowie über Fettabscheider (Restaurant und Verbrauchermarkt) entsorgt.

Elektrische Anlagen

Die Energiebereitstellung erfolgt über eine eigene Transformatorstation im Untergeschoss. Aufgrund des hohen Grundwasserstandes wurden seitens Wienstrom besondere Anforderungen an die Dichtheit des Traforaums gestellt.

In Abstimmung mit den Behörden sowie der Feuerwehr konnte der Konsens erreicht werden, die Sicherheitsstromversorgung über die Trafostation (Verkabelung in E90) und nicht über ein Notstromaggregat herzustellen. Dies ist hier aufgrund der räumlichen Entfernung der Trafostation zum Hochhausbereich des Studierendenheims möglich.

Für die Brandmeldeanlage wurde ein System mit Unterstationen (getrennte Betriebsführungen der einzelnen Nutzer) und einen Hauptanschluss an die Feuerwehr, sowie diverse Lotsenpunkte gewählt. Eine Objektfunkanlage für den Hochhausbereich Studierendenheim und Tiefgarage ergänzen die Brandmeldeanlage.
Die Lichtrufanlage für das Caritas-Haus wurde mit einer Desorientiertenschutzanlage erweitert. Mit dieser Anlage kann der Durchtritt einzelner Personen kontaktlos überwacht werden.

Das Projekt

Bauherr: Heimbau
Architekt: b18 Architekten ZT GmbH
TGA Schmidt Reuter GmbH
Baustart 2011
Geplante Fertigstellung: 2013

Bruttogrundflächen

Pflegeheim: 9.700 m²
Studierendenheim: 11.000 m²
Verbrauchermarkt: 3.900 m²
Restaurant: 760 m²
Tiefgarage: 8.900 m²