TGA-Planung 2014

Manfred Thonhauser

Technologiezentrum Tulln – Haus C

Die Erfolgsgeschichte des Technologiestandortes Niederösterreich geht weiter

Das Technologiezentrum ist das Herzstück des Technopolstandorts Tulln. Über 140 Personen finden hier auf mehr als 3.500 m² ihren Arbeitsplatz. Damit entwickelte sich der Standort seit seiner Gründung im Jahr 2005 zu einem Technologie-und Forschungsmotor.

Aufgrund des steigenden Bedarfs an maßgeschneiderten Räumlichkeiten im Technologiebetrieb wird das Technologiezentrum Tulln (TZT) nun weiter ausgebaut und die dritte Ausbaustufe errichtet. Die Mieter des neuen Gebäudes sind unter anderem Sealife Pharma, Büro Gerstenmayer, accent Gründerservice, Bio Trac, Acticell sowie das Technopolmanagement von ecoplus.

Das Bauvorhaben

In unmittelbarer Nähe der Fachhochschule Tulln am Rande der Stadt wurde das Technologiezentrum in zwei Bauetappen (Haus A und das Haus B) errichtet. Auf Grund der regen Nachfrage hat sich der Bauherr entschlossen, das Technologiezentrum mit dem Haus C zu erweitern.

Das Haus C wird gegenüber dem Bestand um 90° gedreht und ist so konzipiert, dass eine Erweiterung mit einem Haus D möglich ist, und diese wieder mit einer Glasbrücke verbunden werden kann. Durch die Drehung des neuen Gebäudes befindet sich der Haupteingang des Hauses C in kurzer Distanz zu den bestehenden Gebäuden und es entsteht ein Innenhof, der auch die bestehenden Windverhältnisse im Brückenbereich verbessern soll. Die bestehende Parkplatzlösung wird mit einer neuen Einfahrt erweitert, sodass damit Ein-und Ausfahrt durch ein Einbahnsystem getrennt werden können. Das neue Gebäude wird unterkellert, um für die Haustechnik und für die Lagerräume genügend Platz bereitstellen zu können.

Ein wesentliches Kriterium des neuen Technologiezentrums und der Erweiterung ist seine Flexibilität, die sich in der Teilbarkeit der Räume im Rastermaß von 1,50 m und in der flexiblen Nutzung der Räume als Laborräume, Büroräume aber auch Besprechungsräume usw. niederschlägt. Für die Nutzung der Räume liegen genaue Nutzeranforderungen vor. Es ist wieder vorgesehen, in jedem Geschoss Büro-und Laborflächen zu bauen, die nach den Vorgaben der Nutzer realisiert werden.

Aus diesem Grunde werden wieder Geschoßhöhen von 4,00 m realisiert und weitere Planungsvorkehrungen im haustechnischen Bereich getroffen. Die gemeinsame repräsentative Eingangshalle für die unterschiedlichen Nutzer ist auch ein wichtiger Kommunikations-und Informationspunkt. Das Gebäude ist weithin sichtbar, somit spielt auch die Dachausbildung eine entscheidende Rolle. Daher wird die Haustechnik so wie auch im bestehenden Gebäude wieder im Keller untergebracht. Damit sind auf dem Flachdach des Gebäudes keine Haustechnikaufbauten zu sehen. Das Gebäude ist freistehend und damit auch in Katastrophenfällen für die Feuerwehr und sonstige Einsatzkräfte gut erreichbar.

Die Technische Gebäudeausrüstung

Heizen/Kühlen

Zur weiteren positiven Entwicklung in Richtung energieeffiziente Gebäude wurde besonderes Augenmerk auf die Heizung und Kühlung des Gebäudes gelegt. Dies wurde beim gegenständlichen Bauvorhaben folgendermaßen gelöst: Die Heizungsversorgung des Gebäudes wird durch zwei Systeme gewährleistet:

  • System 1 – Wärmepumpenanlage mit Tiefensonden
  • System 2 – Fernwärmeanschluss

Um die Wärmepumpenanlage im günstigen Wirkungsbereich betreiben zu können, wurde das gesamte Heizsystem in einen Niedertemperaturkreis (37/34° C) und Hochtemperaturkreis (80/35° C bzw. 70/50° C) geteilt. Der Niedertemperaturkreis wird von der Wärmepumpenanlage mit Pufferspeicher versorgt und liefert die Wärme zu folgenden Verbrauchern:

  • Deckenheizung im Bürobereich
  • Nachheizregister im Luftkanalsystem
  • Fußbodenheizung in den Allgemeinbereichen wie Foyer, Stiegenhaus und WC-Bereiche

Der Hochtemperaturkreis versorgt die Verbraucher:

  • Statische Heizung Labor-und Büroräume
  • Lufttechnische Anlagen

Durch den Einsatz dieses Anlagensystems mit der Wärmepumpe und den Tiefenbohrungen kann eine Einsparung von ca. 100 KW an Heizleistung erzielt werden. Durch Umschaltung der Wärmepumpe kann auch der Bedarf an Kühlleistung in den Büroräumen (Kühldecke) sowie die Maschinenkühlung abgedeckt werden. Sämtliche anderen Verbraucher wie Raumkühlgeräte und lufttechnische Anlagen werden durch eine Kompressionskälteanlage mit Kühlenergie (Kaltwasser 7/13°C) versorgt. In der Übergangszeit und im Winter wird durch die Free Cooling Anlage, über das Geothermiesystem, die Bereitstellung des Kühlmediums (Kaltwasser 14/18°C) für alle Anlagensysteme (Raumkühlungs-und Maschinenkühlkreis sowie Kühldecke wenn erforderlich) übernommen.

Lüftungsanlagen

Für die Büros und Allgemeinbereiche sowie für die Laborbereiche wurden Teilklimaanlagen, welche mit Einrichtungen für Luftfilterung, Lufterwärmung, Luftkühlung und Möglichkeiten für den Einbau von Dampfluftbefeuchtern ausgestattet sind, eingeplant. Jede Anlage wird mit einer entsprechend angepassten Energierückgewinnung ausgestattet (Rotationswärmetauscher).

Die Teilklimaanlage „Büro“ versorgt sämtliche Allgemeinbereiche wie Gänge und Foyer, Büros und WC-Bereiche mit dem hygienisch erforderlichen Außenluftbedarf. Weiters werden die Ersatzluftmengen für die Freonabsaugung im Technikraum und Lösungsmittellager bereitgestellt. Das Anlagensystem wird mit konstantem Volumenstrom betrieben, wobei die Änderungen der Sonderluftströme für Lösungsmittellager und Freonabsaugung berücksichtigt werden.

Die Teilklimaanlage „Laborbereich“ versorgt die Laborbereiche mit aufbereiteter Außenluft und dient auch zur Abführung der Kühllast und Erbringung der Ersatzluftmengen für die Einzelabsaugungen. Die Teilklimaanlage wird mit variablem Volumenstrom betrieben, wobei die Luftmenge einerseits durch die Kühllast und den erforderlichen hygienischen Luftwechsel und andererseits durch die Ersatzluftmengen bestimmt wird.

Die Bereiche des Chemielabors im Erdgeschoss werden als eigene Zonen als Klimaanlage mit Be-und Entfeuchtung sowie Raumtemperaturen von 24° C ± 2° C betrieben. Die Digestorien, Ablufthauben sowie Gefahrengut-und Chemikalienschränke werden mit Einzelabsauganlagen, teilweise mit Explosionsschutz, betrieben. Die Nachströmung erfolgt meist aus dem Raum. Einige Systeme sind direkt mit der Außenluft verbunden.

Mess-, Steuer- und Regelungstechnik

Es kommt ein modernes frei programmierbares DDC-System zum Einsatz, welches sämtliche Regel-, Steuer-und Meldungsvorgänge übernimmt.

Alle Büroräume sowie Laborbereiche werden mit Einzelraumregelungen ausgestattet. Diese werden in den Bürobereichen für die Regelung der Heiz-und Kühldecke und in den Laborräumen zur Verstellung der Volumenstromregler sowie Zu-und Abschaltung von Raumkühlgeräten, eventuell auch Raumbefeuchtungseinheiten herangezogen. Weiters wird durch das Regelsystem die automatische Umschaltung der Kühl-und Heizungsanlage (Wärmepumpe, Free-Cooling und Kompressionskälteanlage) gewährleistet. Im Zuge dieser Umschaltungen werden auch die zugehörigen Umschaltungen in den einzelnen Rohrsystemen durchgeführt und damit angepasst.

Ein weiterer Punkt der MSR ist die Energieoptimierung inkl. Überwachung und Steuerung der Beleuchtung und Jalousieanlage. Die Überwachung der Brandschutzklappen sowie der Energiezähler obliegt ebenfalls dem Gebäudeleitsystem.

Elektrische Anlagen

Es ist für das Gebäude die Errichtung einer Photovoltaikanlage mit einer Anlagenleistung von 24 kWp geplant. Die Besonderheit bei der Einreichung der Photovoltaikanlage war, dass das Gebäude in der Sicherheitszone des Militärflugplatzes Langenlebarn liegt und daher die luftfahrtbehördliche Ausnahmebewilligung einzuholen war. Hier zeigte sich das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport als sehr kooperativer Partner und die Bewilligung konnte rasch erwirkt werden.

Als weiteres Highlight kann die Errichtung von Ladestationen zur Aufladung von Elektro-Kraftfahrzeugen angesehen werden. Hierfür wird eine Elektro-Ladesäule mit vier integrierten Ladepunkten mit einer Ladeleistung von 22 kW je Ladepunkt errichtet. Die gesamte Fluchtwegorientierungsbeleuchtung wird mit LED-Systemleuchten hergestellt.

Für die Sicherheit des Gebäudes, welches sehr frei steht, werden zur Überwachung sämtlicher Außenzugänge Videokameras in Digitaltechnik in wetterfester Ausführung mit elektrischer Beheizung angebracht. Zur besseren Orientierung von ortsunkundigen Personen wird im Eingangsbereich ein Touchscreen, in welchem sämtliche Orientierungshilfen sowie sämtliche Veranstaltungen und Ähnliches abgefragt werden können, aufgestellt.

Das Projekt

Bauherr: ecoplus
Die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich vertreten durch die TZT Technologiezentrum Tulln GmbH
Architekt: Grasser Architects 1090 Wien
TGA Schmidt Reuter GmbH
Baubeginn August 2013
Geplante Fertigstellung: Juni 2014
Bruttogeschossfläche BGF: 3.000 m²
Gesamtbauwerkskosten: 7,14 Mio EUR
Technikkosten: 2,50 Mio EUR