TGA-Planung 2015

Ing. Geord Lakata, Manfred Thonhauser

Unternehmenszentrale Wiener Netze

Smart Campus

Die Wiener Netze errichten in Simmering eine neue Unternehmenszentrale. Mitarbeiter aus bislang sechs Standorten werden ab 2016 auf diesem Areal arbeiten. Die Unternehmenszentrale beinhaltet sowohl Verwaltungs- als auch Werkstatt- und Betriebsfunktionen. Die Betriebsfunktionen mit Lager- und Werkstatteinrichtungen werden in einem 2-geschoßigen Sockel zusammengefasst, die Verwaltung wird als maßstäblicher Campus auf den begrünten Dachflächen der Werkshallen situiert. Smart steht für das Gebäude, denn schon bei der Planung wurde auf Energieeffizienz und höchste Funktionalität Wert gelegt. Nach der Errichtung steht Smart für geringe Betriebskosten, sowohl im Verwaltungs- als auch im Betriebsbereich. Campus drückt die Gemeinsamkeit an einem Standort aus, mit unterschiedlichen Gebäudestrukturen, die ihren Nutzungen entsprechen.

Der von Wiener Netze kreierte Name dieses HQ – „Smart Campus“ wurde auch als gelebte Philosophie, insbesondere von der Bauherrschaft selbst durch engagiertes Beschäftigen und auch massive Unterstützung in der Planungsphase umgesetzt. Dieses Engagement hat sich bereits in der Wettbewerbsphase auf das später als Sieger des Wettbewerbs hervorgegangene Generalplanerteam Holzbauer & Partner ZT GmbH übertragen und wurde in der Planungsphase durch die im Generalplanerteam tätigen TGA-Ingenieurbüros Lakata aus Villach/Wien für die Bereiche Heizung und Klimakälte, Schmidt Reuter aus Wien für die Bereiche Lüftung und Sanitär,
EPG aus Spittal/Wien für den Bereich Schwachstrom und Hartl aus Klagenfurt für den Bereich Starkstrom im TGA Bereich umgesetzt.

Das Haus wurde durch eine Reihe von technischen Maßnahmen, die alle den Grundgedanken Smart tragen, auf ein hohes ökologisch und ökonomisch sinnvolles Niveau gebracht. Die auf das System maßgeblichen Einfluss ausübenden Komponenten werden nachfolgend kurz beschrieben.

Heizwärmeerzeugung

Im Planungsprozess wurde zuerst an die Heizwärmeerzeugung aus Wärmepumpen mit Tiefensonden als Energiequelle gedacht und ein Erdsonden-Pendelspeicher für geothermisches Heizen und Kühlen geplant. Nach intensiven Gesprächen mit den Kollegen der Hydrogeologie wurde schließlich ein Grundwassersystem gewählt. Das Grundwasser wird an der Ostseite des Objekts aus dem Grundwasserkörper entnommen und an der Nordwestseite wieder rückgespeist. Die Grundwasserfließgeschwindigkeit lässt erwarten, dass das Wasser von der Rückspeisestelle bis zur Entnahmestelle rund ein halbes Jahr benötigt, sodass hier ein ähnlicher Pendeleffekt entstehen wird wie bei einem Erdpendelspeicher. Die Energie wird dem Grundwasser über Wärmepumpen entzogen und ins System eingespeist. Zur Spitzenlastabdeckung und zur Sicherstellung von Redundanz werden zwei erdgasbefeuerte Brennwertkessel eingesetzt.

Die Abgabe der Heizwärme im Hauptbereich des Hauses, den Büros, erfolgt für ca. 50 % der Last über ein deckennahes Bauteilaktivierungssystem zur Grundlastabdeckung, die restlichen 50 % werden über ein Heiz/Kühlsegel eingebracht und stellen den flink reagierenden Anteil zur Raumtemperaturregelung dar. Die Versorgung der einzelnen Räume wird über ein 4-Leitersystem sichergestellt. Die Raumtemperaturregelung erfolgt über Einzelraumregelung.

Lüftungsanlagen

Um ein behagliches Raumklima in dem Objekt zu schaffen, werden 310.000 m³/h aufbereitete Außenluft über zentrale Lüftungsanlagen den Räumen zugeführt bzw. verbrauchte oder belastete Abluft abgeführt. Durch die Installation von hochwertigen Wärmerückgewinnungsanlagen ist der smarte Gedanke sehr effizient umgesetzt. In einem Brandfall sind als vorbeugender Brandschutz und als Schutz für die im Objekt befindlichen Personen die derzeit aktuellsten Brandschutzanforderungen in Form von Brandrauchverdünnungs, sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen installiert. Insgesamt sind sicherheitstechnische Anlagen mit einem
Gesamtluftvolumenstrom von 446.000 m³/h geplant.

Klimakälteerzeugung

Die Klimakälte wird durch direkte Nutzung des Grundwassers zur Verfügung gestellt. Lediglich die Spitzenlasten und Leistungen zur Luftentfeuchtung im Sommer werden aus den Wärmepumpen, die im Sommer als Kaltwassersatz fungieren, abgedeckt. Die gesamte TGA-Anlage wird über ein Monitoringsystem überwacht, energietechnisch und nutzerorientiert begleitet und optimiert.

Das Projekt

Bauherr: Wiener Netze GmbH
Projektleiter Bauherr: Hr. Peter Steczowicz
Generalplanung: Holzbauer & Partner Architekten, ZT GmbH, 1050 Wien
HKLS-Planung und Fachbauaufsicht: Ingenieurbüro Lakata GmbH, Villach und Wien
+ Ingenieurbüro Schmidt Reuter, Wien
Baubeginn August 2014
Geplante Fertigstellung: Mitte 2016
Bruttogeschossfläche BGF: 96.000 m²
HKLS Herstellkosten: ca. 21 Mio EUR