TGA-Planung 2017

Ing. Jürgen Enne

Die Donau im Blick

Sanierung des Objektes Schleusengebäude Nussdorf

Das Schleusengebäude Nussdorf wurde im Anschluss an die erste Wiener Donauregulierung (ab 1870) als Verwaltungsgebäude und zur Hochwasserbeobachtung nach Plänen von Otto Wagner zwischen 1894 und 1898 errichtet.
Schleusengebäude

Hierbei handelt es sich um einen viergeschossigen, sezessionistischen Bau mit einem Dachaufsatz, der sogenannten „Laterne“, die als Beobachtungsstation diente. Diese Nutzung ist bis heute unverändert aufrecht, lediglich die Bezeichnung der zuständigen Einrichtungen änderte sich: Strombauamt, Wasserbaudirektion, DHK/via Donau und jetzt MA45 – Wiener Gewässer.

Mit dem Besiedeln des Schleusengebäudes durch die Magistratsabteilung 45 – Wiener Gewässer erfolgt durch den Eigentümer ein Austausch der Nutzungseinheit mit gleichartigen Aufgaben der Gewässerzuständigkeit innerhalb der Eigentümerstruktur. Damit bleibt auch die Verwaltungsaufgabe der Wasserzuständigkeit seit der Errichtung des Bauwerkes unverändert aufrecht. Zu den Herausforderungen bei dem Projekt gehörte einerseits die Statik, da es sich beim Gebäude um ein Experimentalbauwerk des berühmten Architekten Otto Wagner handelt. Mit heutigen statischen Methoden lassen sich die Deckenkonstruktionen rechnerisch nicht nachweisen. Statische Maßnahmen wie zum Beispiel neue Schächte für die technischen Anlagen mussten somit in engster Abstimmung mit der Statik geplant werden, um die Stabilität des Gebäudes nicht zu gefährden.

Denkmalschutz

Ein weiteres wichtiges Kriterium war der Denkmalschutz. Das Objekt Schleusengebäude wird vom Bundesdenkmal­amt im Ensemble mit dem Krandepot und der Schemerbrücke als besonders wertvoll eingestuft. Die folgenden wesentlichen Maßnahmen wurden mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt:

  • Ersetzen/Ertüchtigung der Geschossdecke Ebene 4
  • Ersetzen der kompletten Geschossdecke Ebene 5 (Dach)
  • Einsetzen von Dachflächenbelichtungen samt außenliegender Beschattung in der Ebene 5
  • Die technische Ausführung der Konstruktionen
  • Das Raumkonzept
  • Die Schaffung eines barrierefreien Zuganges
  • Das Farbkonzept

Technische Gebäudeausrüstung

Aufgabenstellung
Dieses denkmalgeschützte Experimentalbauwerk war nun auf einen aktuellen technischen Stand zu planen, damit es seine für die gesamte Region wichtige Aufgabe auch weiterhin erfüllen kann.

Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)
Die Kernaufgabe in Bezug auf die technische Gebäudeausrüstung ist die Errichtung einer zeitgemäßen elektro­technischen Infrastruktur für die Büroarbeitsplätze.

Schleusengebäude Nussdorf

Hierzu sind die detaillierten Vorgaben der Magistratsabteilung 14 (Abteilung für Automationsunterstützte Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie – IKT) umzusetzen.
Die Verbindung zu den Rechenzentralen der Stadt Wien erfolgt mittels Lichtwellenleiter (LWL)-Single-Mode-Leitungen bis zum EDV-Hauptverteiler. Der EDV-Hauptverteiler wird mit dem EDV-Unterverteiler
über LWL-Multi-Mode-Leitungen mit 24 Fasern und zugehörigen LWL-Spleißverteilern nachrichtentechnisch verbunden.

Die weitere Verkabelung besteht aus Cat.7-Kupferverkabelungen mit Cat.6a-Anschlussdosen (RJ45). Für die Verlegung der Strom- und Datenleitungen wurden unter Berücksichtigung von Statik und Denkmalschutz Kabelkanäle vorgesehen. Diese bieten einerseits eine saubere und sichere Kabelverlegung vom Verteiler bis zur Dose und andererseits Flexibilität bei kleineren Verschiebungen von Arbeitsplätzen. Zur Vermeidung von Schallübertragungen zwischen den einzelnen Büros über die Kabelkanäle werden revisionierbare Kanalschotte eingesetzt.

Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung
Zur sicherheitstechnischen Aufrüstung des Bauwerkes ist eine Fluchtwegorientierungsbeleuchtung gemäß TRVB E 102 vorgesehen. Die Rettungszeichen-Einzelbatterieleuchten sorgen in den Gang- und Stiegenhausbereichen für eine sichere Entfluchtung des Gebäudes im Gefahrenfall.

Brandmeldeanlage
Eine weitere Vorgabe ist, die Allgemeinbereiche sowie die Technikräume des Gebäudes brandschutztechnisch zu überwachen. Da die Gangbereiche aus Gründen des Denkmalschutzes weitestgehend unverändert bleiben mussten, wurden hier Linearmelder mit Sende- und Reflektoreinheiten eingesetzt.

Diese gewähren bei minimaler Sichtbarkeit größtmögliche Sicherheit. Weiters sind die Außentüren mit motor­betriebenen Türöffnern nachgerüstet, die im Brandfall automatisch öffnen. Der Treppenlift für den barrierefreien Zugang zum Gebäude wurde ebenfalls in die Brandfallsteuerung integriert (Brandalarm = Fahrt in Ausgangsstellung).

Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)
Zur Versorgung der systemrelevanten Anlagen der Informations- und Kommunikationstechnik dient eine batterie­gestützte USV-Anlage. Weiters werden die motorbetriebenen Türöffner mittels eigener Klein-USV-Anlagen versorgt, damit die sichere Entfluchtung auch bei Stromausfall sichergestellt ist.

Das Projekt

Bauherr: Donauhochwasserschutz-Konkurrenz, vertreten durch via donau – Österreichische Wasserstraßen GmbH
Projektsteuerung, Generalplanung: ARGE Metz & Partner/FCP
TGA-Planung und Bauaufsicht: Schmidt Reuter
Baubeginn November 2016
Geplante Fertigstellung: Juni 2017